Band 
Dritter Band. Von 1668-1758. Zweiter Teilband. Von 1727-1758.
Entstehung
Seite
615
JPEG-Download
 

Combinatorik. Wahrscheinlichkeitsrechnung.

615

genannten Körper und lässt den Halbmesser der Kugel eine Bewegungvollziehen, bei welcher er längs des Umfangs der bestimmten Ebenehingleitet und auf der Kugeloberfläche eine Figur hervortreten lässt,deren Fläche untersucht wird. Ihr Verhältnis zur ganzen Kugel-oberfläche ist die Wahrscheinlichkeit für das Obenliegen der be-treffenden Ebene. Die Aehnlichkeit des Gedankens mit dem vonBuffon ('S. 612), das Verhältniss von Flächenstücken als Walir-scheinlickkeitsinaass zu benutzen, liegt auf der Hand. Wir wollendamit allerdings keineswegs behaupten, Simpson müsse Buffon’sArbeit gekannt haben.

Johann Bernoulli’s 1742 erschienene Gesammtwerke enthalteneinen nur kurzen Beitrag zur Wahrscheinlichkeitslehre 1 ). Die letzteauf die Ausübung des Wahlrechts bezügliche Aufgabe könnte dieAufmerksamkeit einigermassen fesseln, wenn ihr Sinn nur deutlicherwäre. Es scheint fast, als nehme Bernoulli an, alle Wähler, derenAnzahl durch 3 theilbar sein solle, würden durch das Loos in Dreier-gruppen eingetheilt, und die Wahl eines gewissen Candidaten, fürwelchen die Wähler A und 11 sich bereits ausgesprochen haben, seigesichert, wenn diese beiden A und 11 der gleichen Gruppe angehören.Wir wollen indessen nicht als zweifellos hinstellen, dass wir Bernoulli’sMeinung richtig verstanden haben.

Schon dem vorhergehenden Jahre 1741 gehört ein Werk au,welches, ohne der mathematischen Wahrscheinlichkeitslehre gewidmetzu sein, doch wohl hier genannt werden muss. Johann PeterSüssmilch 2 ) (1707—17(37) hat abwechselnd Medicin, Theologie,Mathematik studirt, hat als Hauslehrer, als Feldprediger, als Geist-licher einer kleinen Ortschaft, zuletzt als Consistorialrath in Berlin gewirkt. Sein Hauptwerk von 1741 führt den Titel: Die göttlicheOrdnung in den Veränderungen des menschlichen Geschlechtes aus derGehurt, dem Tode und der Fortpflanzung derselben erwiesen. Die Vor-rede schrieb er „auf dem Marsche zu Schweidnitz “, also im Getümmeldes Kriegslebens. Die göttliche Ordnung wurde 1761 zum zweiten,1765 zum dritten Male aufgelegt. Eine vierte Auflage besorgtenach Süssmilch’s Tode dessen Schwiegersohn Bau mann 1775. Seitder zweiten durchaus umgearbeiteten Auflage ist die göttliche Ord-nung ein für Gelehrte aller Länder unentbehrliches Musterwerk ge-worden, welchem zahlreiche Nachahmungen folgten, eine statistischeSocialwissenschaft begründend. Aber auch schon die erste Auf-

*) Joh. Bernoulli Opera IV, 28—33. *) Allgemeine deutsche BiographieXXXVII, 188—l'J5. Artikel von V. John. — Ludwig Moser, Die Gesetze derLebensdauer (Berlin 1839), Vorrede S. V—VII.