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Abschnitt XIX.
diese Phase des Erkenntuisfortschrittes zum Studienobjekte ausersahen,ohne Kaestner in Verlegenheit gekommen sein würden 1 ). Alles inallem wagen wir zu behaupten: Auch dieser Band, von einem gebrech-lichen Manne im einundachtzigsten Jahre seines Lebens mit letzterKraft niedergeschrieben, leistet dem Geschichtschreiber, der sich übergewisse Punkte der großen Sturm- und Drangbewegung im Zeitaltereines Cartesius, Galilei , Kepler zuverlässig unterrichten will, sehrnützliche Dienste, und wenn auch der deutsche Mathematiker fraglosnicht auf der Höhe eines Montucla stand, so muß man sich dochhüten, an seinem Gedächtnis ein Unrecht zu begehen und über derabstoßenden Außenseite das, was am Inhalt nutzbar und lobenswertist, ganz zu vernachlässigen. Diese kleine Ehrenrettung glaubte einSpäterer, der seit mehr denn vierzig Jahren sich gar häufig Rats ausdem vermeintlichen Sammelsurium erholt hat, dem oft verkanntenLiterator Kaestner schuldig zu sein.
In Deutschland wurde von zusammenfassenden Schriften im übrigennichts mehr hervorgebracht, wenigstens wenn wir nur die reine Mathe-matik ins Auge fassen. Höchstens die „Enzyklopädie“ von Rosen-thal 2 * ) könnte noch der Vollständigkeit halber genannt werden, undeinem damals beliebten Lehrbuche 8 ) ist ein kurzer historischer Abrißbeigegeben. Ein Schriftchen von Hollenberg 4 ) ist ziemlich bedeu-tungslos und scheint auch nur ganz wenig bekannt geworden zu sein 5 ).Die Inauguraldissertation 6 ) des bekannten Physikers Gilbert (s. S. 5)weist der Geschichte von vornherein nur einen sekundären Platz an.
Dagegen soll nicht verschwiegen werden, daß für den geschicht-lich arbeitenden Mathematiker sich auch mancherlei aus den deutschenSchriften über Geschichte der Physik und Astronomie entnehmen läßt.Die erstere wurde im fraglichen Zeitraum mit einem Werke 7 ) be-
') Vgl. Günther, Die Kompromißweltsysteme des XVI., XVII. und XVIII.Jahrhunderts, Annales Internationales d’Histoire (.Congres de Paris 1900), Paris
1901, S. 121 ff. *) G. E. Rosenthal, Enzyklopädie aller mathematischenWissenschaften, Gotha 1794—1797. •) B. F. Moennich, Lehrbuch der Mathe-
matik, Berlin-Stralsund 1781 —1784. Dieses Schaltkapitel, über welches Nessel-mann (a. a. 0., S. 23ff.) nicht ganz ungünstig urteilt, führt den Titel: KurzeGeschichte der Mathematik nach der Ordnung der Hauptstücke im Lehrbuche.
4 ) Hollenberg, Nachrichten von dem Leben und den Erfindungen der Mathe-matiker, Münster i. W. 1788. 5 ) Außer bei Nesselmann (a. a. 0., S. 24; fanden
wir es nirgendwo angeführt. ®) L. W. Gilbert, De natura, constitutione et
historia matheseos primae vel universalis seu metaphysices mathematicae com-mentatio I et II, Halle a, S. 1794—1795. Vgl. dazu I.. Choulant, Versuch überLudwig Wilhelm Gilberts Leben und Wirken, Ann. d. Phys., LXXVI (1894,
S. 4G3ff.). Danach soll Gilbert gewisse Aufstellungen seiner Erstlingsschrift
ausdrücklich wieder zurückgenommen haben. 7 ) J. C. Fischer, Geschichte derNaturlehre, Göttingen 1800—1808.