Band 
Vierter Band. Von 1759 bis 1799.
Entstehung
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Kombinatorik.

In den früheren Bänden dieser Vorlesungen wurde gezeigt, daßdie Begründung der wissenschaftlichen Kombinatorik sowie die der kom-binatorischen Analysis für Leibniz in Anspruch genommen werdenmuß, der seiner philosophischen Anlage gemäß die hohe Bedeutungund die vielversprechende Zukunft dieser im Werden begriffenenmathematischen Disziplinen, wenn auch nicht scharf erkannte, sodoch mit dem sicheren Takte des Genies ahnte. Es wurden danndie Fortschritte dargelegt, die dieser neue Zweig der Wissenschaft denArbeiten der Bernoullis, eines Moivre, eines Euler verdankt.Nach diesen Ergebnissen kommen wir zu einer merkwürdigen Epoche,zu der der sogenannten kombinatorischen Schule. Die aus-gesprochene Absicht der sie begründenden und fördernden Männerwar, neben die gewöhnlichen Operationen der Arithmetik, Algebraund Analysis die kombinatorischen Operationen als gleichberechtigtund gleichwertig zu stellen und für sie das Bürgerrecht zu erwerben.Durch diese Erweiterung der Hilfsmittel sollte sich, wie sie meinten,die Darstellung vereinfachen und das Forschungsgebiet vergrößern.Diese Schule faßte trotz ihrer großen Ziele und Absichten nur inDeutschland Boden und trug auch hier nur bescheidene Früchte; vongroßen Forschern im mathematischen Bereiche gehörte ihr keiner an.Das erklärt sich wohl daraus, daß sie ganz in Formeln und in For-malismus aufging. Zwar beherrschte sie eine Zeitlang den deutschenMarkt; aber das meiste von dem, was sie brachte, sank bald in eine, nichtimmer ganz gerechte Vergessenheit 1 ).

Der Begründer der kombinatorischen Schule war Karl Fried-

*) In seinem, von Napoleon I. veranlaßten „Rapport historique sur lesprogres des Sciences mathematiques depuis 1780“ (Paris 1810) sagt J. B. JosephDelambre : Die kombinatorische Analysis beschäftigt noch immer die deutschenMathematiker; aber in Frankreich hat sie keine Gunst erringen können, weil ihrGebrauch zu beschränkt ist, und besonders weil sie auf die Zweige der Wissen-schaft nicht anwendbar erscheint, deren Förderung uns vorzüglich amHerzen liegt.

Canto r, Geschichte der Mathematik IV.

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