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Vierter Band. Von 1759 bis 1799.
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583
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Die Perspektive vom Mittelalter bis zu Ende des 17. Jahrhunderts. 583

kale), daß die Tafel zu beiden rechtwinklig sei und daß das Auge sichauf der Vertikalebene befinde-, die Tafel wird auf die Vertikalebeneumgelegt vermittels Drehung um ihre Vertikalachse. Unter Annahmesolcher Voraussetzungen gelangte Commandino zu zwei sehr be-merkenswerten Konstruktionen der Perspektive eines beliebigenPunktes der Horizontalebene, welche er sodann an wendet, um diePerspektive der Kreise einer Kugel zu finden. Eine der erwähntenKonstruktionen war schon bei den Praktikern im Gebrauch; aberCommandino kannte sie sicher nicht, denn er scheint die früherenWerke über die Perspektive nicht studiert zu haben, weil er ihre innigeVerbindung mit den ptolemäischen Untersuchungen nicht bemerkthatte. Diese Arbeit des großen Kommentators schien und war in derTat auch zu einseitig und wissenschaftlich; die Maler und die Archi-tekten, welche dieselbe benutzen wollten, fanden sie unvollständigund zu schwer; daher hielt es ein gelehrter Prälat, Daniele Bar-baro (1513—1570) 1 ), für der Mühe wert, ein neues Lehrbuch überdie Perspektive zu schreiben, welches zugleich dem Bedürfnisseder Praktiker und den Forderungen der Theoretiker genügte. Nach-dem er sich daher mit Unterstützung eines gewissen Johann Zam-berti mit jener Lehre genügend vertraut gemacht hatte, schrieb erein Buch über: „La pratica della prospettiva; opera molto profitte-vole a pittori, scultori et architetti“ (Venezia 1559). Es ist einWerk, welches hält, was es in seinem Titel verspricht; daher verdientees die freundliche Aufnahme, welche es wegen seines reichen Inhaltsallgemein fand. Der Geschichtschreiber darf aber nicht unterlassen,darauf hinzuweisen, daß Barbaro 2 ), nicht nur vieles von Piero dellaFrancesca sich aneignete, sondern auch versuchte, das ganze Werkdesselben in Mißkredit zu bringen, um von dem Leser den Verdachteines Plagiats möglichst fern zu halten.

Auf Daniele Barbaro folgt der Zeit nach ein berühmterKünstler: Jacopo Barozzi aus Vignola, als Gesetzgeber in derArchitektur unter dem Namen „Vignola“ allgemein bekannt (1507bis 1573), welcher das Glück hatte, in einem sehr bedeutenden Mathe-matiker, Egnatio Danti 3 ) ('1537—1586), einen gewissenhaften Ver-leger und geistreichen Kommentator zu finden. Das in Rede stehende

') Biographische Nachrichten über diesen Gelehrten findet man bei: Maz-zucchelli, „Gli scrittori d’Italia“, T. II, P. I, p. 247; Tiraboschi, a. a. 0.,p. 474. *) Vgl. das Vorwort zu dem Werke von Vignola-Danti, von dem

wir sogleich sprechen werden, und Pitta;relli in der o. a. Mitteilung, S. 262. s ) Vgl.Libri, t. IV, p. 37; Tiraboschi, a. a. 0., p. 456—459, wo auch über andereMitglieder der Familie Danti, die sich mit den Wissenschaften beschäftigten,berichtet wird.