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Die Bedeutung der Eisenbahnen für den deutschen Zollverein mit besonderer Rücksicht auf Württemberg / von J. Mährlen
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Hoffnungen belebten die Gemüther und befeuerten zu Wagnissen undThaten. Es war eine Zeit, dem Frühling vergleichbar, wenn derSaft in Stamm und Zweige schießt und an allen Enden und Ortenneue Kräfte zum Leben erwachen.

Damals, 1755, war eS, wo das Parlament die Schiffbar-»lachung des Sankeybaches bis zum Mersey und gleich darauf einenSeitenkanal gestattete, der den ersten Versuch solcher Unternehmungenür England bezeichnet. Doch noch vor Beendigung des leztern faßteder Herzog von Bridgewater den Plan zu Erbauung eines Kanals,welcher Liverpool und Manchester verbinden sollte. Viele hielten dasUnternehmen für unnöthig, da der Fluß und die Landstraße hinreich-ten, Waaren von der einen Stadt in die andere zu fördern; Anderemeinten, den edlen Lord drücke sein Geld ganz gewaltig, daß er esso blind ins Wasser werfe, und ein damals durch seine technischenKenntnisse ausgezeichneter Herr, den der Herzog zu Rath zog, erklärterundweg:er habe zwar ost von Lustschlössern gehört, aber noch nieeines gebaut gesehen." Der edle Bauherr ließ sich jedoch nicht irremachen; er beschränkte, um die Hülfsmittel des Unternehmens ^uvermehren, seine persönlichen Ausgaben auf jährl. 400 Pf. St., undim Jahr 1760 lag der Kanal fertig da. Aufs glänzendste warenmit Einemmale alle Einwürfe widerlegt, die kühnsten Erwartungenunendlich übertreffen. Die öffentliche Meinung war von Anfang andem Unternehmen mit dem gespanntesten Interesse gefolgt; man schriebfür und gegen Kanäle, wie heut zu Tag über Eisenbahnen. DieSchrift .4 vivw ok tke sckvrmtsges ok Inlaiul l^ovigstian vom Jahr1765 sprach überzeugende Wahrheiten aus. Adam Smith erklärtedie neuen Transportmittel für die größten Reichthümer des Landes,Und Macpherson sezte in kurzen, aber beredten Worten den Nutzenderselben auseinander, wenn er sagte:Kanäle beleben die schonbestehenden Manufakturen und veranlassen die Errichtung neuer Anstal-ten dieser Art, denn die Herbeischaffung aller Materialien und vor-züglich der Lebensmittel wird durch dieselben aufs Thätigste befördert,und deßhalb erheben sich an den Ufern derselben, die sonst unfrucht-bar und einsam waren, fortwährend neue Dörfer. Wo noch kein^Innenhandel ist, wird er von ihnen neu geschaffen oder vermehrt,ein Verkehr, der für das Land durch seine Verbreitung und Wich-tigkeit noch vortheilhafter ist, als der auswärtige Handel. Dazu sindKanäle aber auch große Beförderungsmittel des auswärtigen HandelSund bereichern den in den Seehäfen und an großen schiffbaren Strö-men wohnenden Kaufmann; denn durch sie wird die Ausfuhr der<andesprodukte gefördert und für die Einfuhr fremder Waaren insInnere das größte Erleichtcrungsmittel gewährt. Das Inland wirddadurch mit dem Meere in Verbindung gesezt, oder mit andernWorten: es erhält dadurch Küsten und genießt alle Vortheile desSeehandels. Durch die Kanalschiffahrt werden alle Lebensbedürfnisseaus den weitesten Entfernungen herbeigeschafft, die Preise derselben

Mährlen, Eisenbahnen. 6