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Encyclopädisches Lexikon der Erd-. Land- und Feldmessung / W.E.A. v. Schlieben
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14
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14 Aufnehme»

gestellte röhrenförmige Libellen auf dem Instrumente noch angebracht; auch fin-det man zuweilen, besonders bei ältern Instrumenten, in der Mitte desselbeneine Boussole eingesetzt, die die Orientirung des visirten Winkels gegen denmagnetischen Meridian bezwecken soll. Das Stativ des Ästrolabii hat gemei-niglich die Einrichtung, um den Kreis in jede Lage gegen den Horizont stellenzu können, und es kann dann auch das ganze Instrument zur Messung von-henwinkeln gebraucht werden.

Wer kennt, wie wenig sich mit einem mittelmäßigen Astrolabio leistenläßt, und wie selten und kostbar die vollkommnern seyn, der wird gewiß, be»sonders bei bedeutenden Messungen, dem Theodolit unbedingt den Vorzug ein-räumen.

Aufnehmen. Hierunter verstehet man im Allgemeinen, die Darstellunggewisser örtlicher Gegenstände auf einer'ebenen Fläche. Diese Darstellungsartkann aber mannigfalttg seyn, einmal, wie sich Gegenstände dem Auge aus ei-ner gewissen Entfernung betrachtet geben (perspectivische Zeichnung), oder wiesie der Durchschnitt zeigt (Profil), oder endlich, wie die Gegenstände sich aus-drücken , wenn man das Auge des Betrachters lothrecht über jedem Punkt sichdenkt. Nur von dieser letztern Weise kann hier die Rede seyn, und es bestehetdemnach das Aufnehmen in diesem Sinne gedacht, aus einer bildlichen verklei-nerten Nachahmung unverrückbarer Gegenstände der Natur, in der lothrechtenAnsicht jedes einzelnen Punktes auf einer ganz ebenen Fläche. Aufnehmen,Feldmcffen, Landmesscn, werden öfters für gleichbedeutend gehalten, obscho»sie wesentlich von einander abweichen. Der Unterschied zwischen Messen und Auf-nehmen bestehet vorzüglich darin, daß das erstere nur Zahlenresultate vonLinien, Winkeln und Flächen gibt, das letztere aber eine bildliche Darstellungder Terraingegenstände verschafft. Ein Gut ausmesscn würde daher nicht un-bedingt die Fertigung eines Grundrisses desselben voraussetzen, so wie «inGut aufnehmen das Berechnen der Flächeninhalte der einzelnen Grundstückenicht just nothwendig macht. Das geodätische Aufnehmen kann auf verschiedeneWeise geschehen, indem man entweder Linien und Winkel mit verschiedenenWerkzeugen mißt, ihr Maß nach einem verjüngten Maßstabe abnimmt, undauf bestimmte Weise aufs Papier trägt; oder aber auch, indem man bloß alleLinien mißt, die anvisirten Schenkel der Winkel von dem Blatte eine« Schei-beinstruments abschiebt, oder auch indem man nur einige wenige Winkel mißtund mittelst des Meßtisches aus den visirten Linien ein Bild entwirft, das demin der Natur ähnlich ist und einem gewissen Maßstabe entspricht. Die letztereArt ist unstreitig die bequemste, leichteste und förderndste. Die Instrumente,die hierzu gebraucht werden, bestehen aus einem, mit einer Nuß beweglichen,mit Stellschrauben versehenen und durch eine Schraube ohne Ende aufs Feinstestellbaren Meßtische, aus einem Diopterlineale, einer Wasserwaage, zuweileneiner Boussole, feinen Stahlnadcln, Bleistift und Papier. Die Beschreibungder einzelnen Theile dieser Werkzeuge findet man unter ihrer Benennung imWerke aufgeführet. Die Art und Weise, wie mit diesen Instrumenten verfahrenwird, bestehet in einer geschickten Benutzung und Verbindung der Elementar-aufgaben , die unter dieser Benennung im Buche aufgeführet sind. Zu denvorzüglichsten Schriften, die vom Aufnehmen handeln, sind unbezweifelt nach-stehende zu zählen:

Mayers gründlicher und ausführlicher Unterricht zur praktischen Geome-trie. 4 Theile, 4te Aufl.

Meinerts Anfangsgründe der Feldmeßkunst.

Fischers Anfangsgründe der Feldmeßkunst zum Gebrauch der Vorlesung« 'Jena 1795.

Böhms gründliche Anleitung zur Meßkunst auf dem Felde.

Späths Geodäsie, 1816.

Hogreven'S praktisch« Anweisung zum planimetrischen Vermessen der Fei/'marken rc.