i6 Ausinessen gerader Linien in der Natur
auf dem Erdboden wäre, zu zeichnen und nun die Länge der verschiedenen |Stücke der Krümmung darnach zu beurtheilen. Die Anwendung hiervon !kommt häufig vor, wenn die Länge eines Weges oder Flusses soll gewürdcrt |werden. Das Zeitmaß gibt auch ein gutes Anhalten, um solche Entfer-riungen zu beurtheilen, indem man nur aufmerksam darauf zu seyn braucht, £wie viel Zeit ein Wanderer braucht, um ein gewisses Stück Weg zurück zu i
legen. 's
Um Horizontalwinkel nach dem bloßen Augenmaße gehörig beurtheilenzu können, suche man durch Uebung es dahin zu bringen, daß man einen jrechten Winkel und einen Winkel von 45 Graden beurtheilen lerne. 'Diese Fertigkeit bald zu erlangen ist nicht schwer, da man nur nöthig hat, ■-eine solche Linie auszumitteln, die sich nach den beiden Seiten einer anderngleich neigt (Perpendikularc). Wird ein solcher Winkel wiederum in zweiHälften gedacht, so ergibt sich ein Winkel von 45 Graden. Einen rechten ■'Winkel in drei Theile getheilct, gibt einen Winkel von 30 Graden.
Um Neigungswinkel zu schätzen, so betrachte man selbige, wo eS thun- jlich ist, zur Seite der Abdachung, und stelle dann dieselben Betrachtungen >wie bei den Horizontalwinkeln an. Das Hinaus - und Herabsteigen einer ]schiefen Ebene gibt ein sehr unsicheres Anhalten, den Neigungswinkel dar- ' 3nach zu beurtheilen. Bei Hindernissen, die man auf dem Wege zu übersteigen • \findet, glaubt man die Böschung steiler, ist aber der Weg nur etwas im Bo- 1 Egen um die Anhöhe herum geführt, so scheint selbige flacher. Ueberhaupt ist ^auch anzunehmen, daß einem beim Steigen jede Abdachung steiler, als beim zHeruntergehen, erscheint. ',
Die Größe einer Fläche ist nach dem bloßen Augenmaße zu beurtheilen,indem man die Größe einer gewissen bestimmten Fläche, z. B> die eines *Ackers, immer vor Augen hat; man merke hierbei nur immer auf Folgendes: S
alle reguläre Flächen mit bloß ausspringenden Ecken schließen bei kürzerm i
Umfange einen größer» Raum ein, als andere. Je gleicher die Seiten und *
je stumpfer die Winkel werden, je mehr wird dieses Statt finden, so daß dieCirkelfläche mit dem möglichst kleinsten Umfange den größten Raum begrenzt, pEine solche Figur ist scheinbar kleiner als eine andere, deren Umfangslinien in .• <|sehr abweichenden Linien und Winkeln gefunden werden. -
Es ist daher demjenigen, der ein gutes Augenmaß sich erwerben will, . ,zu rathen, das Auge an verschiedene Formen, die gleichen Inhalt haben, zu j
gewöhnen; man erlangt dieses durch aufmerksame und große Uebung, indem j
man Flächen abschätzt, von deren wahrem Inhalte man sich leicht zu über. •
zeugen vermag. 1
Die Anwendung solcher und ähnlicher Uebungen des Augenmaßes wird ;
besonders von dem Gevmeter gefordert, der das Detail einer Gegend 1
nach dem bloßen Augenmaße auf das Papier zeichnen, oder in eine schonfertige Charte eintragen soll. Hier ist es Pflicht, sich aller zu Gebote stehen- 's
den mechanischen Hülfsmittel, die das Geschäft erleichtern und abkürzen, z
zu bedienen. ES kann hier ein mit Papier bespanntes Bret die Stelle ei- j
ner Mensel, ein Stock die eines Stativs vertreten, jeder Papierstreifen einLineal, zwei eingesteckte Radeln die Dioptern, abgeben. Standlinien wähltman an solchen Stellen, die sich mit den mindesten Schwierigkeiten abschäz- ,zcn lassen, man orientiret sich nach örtlichen Gegenständen, wie dieses unter ;dem Artikel Orientiren, weitläufig beschrieben ist, und verschafft sich auf :diese Weise ein dichtes Netz von einzelnen Punkten der Gegend, die mandann nur nöthig hat zu verbinden. Kann man sich aus einer schon fertigenCharte mehrere solcher Netzpunkte entnehmen, so erleichtert dieses nicht al-lein das Geschäft sehr, sondern es wird auch zur Berichtigung der ganzenArbeit Vortheilhaft benutzt werden können.
Ausmessen gerader Linien in der Natur. Der Zweck einersolchen Ausmessung gibt die Mittel und Werkzeuge an, die hierzu angewen-det werden. Ein« jede zu messende Linie muß vorher sorgfältig abgesteckt