42 Bezeichnung.
nen auch nur in einer solchen Zeichnung abgenommen werden. Ein Stückder Erdfläche erhält die stärkste Beleuchtung, wenn die Lichtstrahlen senkrechtdarauf fallen, schwächer fällt die schiefe Beleuchtung aus, und die senkrechteWand liegt, weil gar kein Lichtstrahl direct auf sie fällt, ganz im Schatten.Es läßt sich daher, bei der senkrechten Beleuchtung, die Größe des Neigungs-winkels der schiefen Fläche, aus der Stärke der Beleuchtung ermessen; jedochaber, ohne dabei, weil das Auge des Betrachters auch senkrecht über jedemPunkte stehet, unterscheiden zu können, was Kegel und was Trichter, Bergeoder Gründe, Dämme oder Gräben sind; es muß dann, sagt Lehmann, dieKenntniß der Gegenstände entscheiden, und hiezu ist sehr leicht zu gelangen,da die durch Regen sich erzeugenden Waffergüsse von den höchsten nach denniedrigsten Punkten einer Gegend strahlenförmig Herabfließen, in den Muldenund Schluchten sich sammeln, in den Thälern nach den immer tiefern Punktenfortgehen und an den tiefsten Stellen Teiche, Sümpfe und Seen bilden. Ersind daher die von einer zusammenhängenden Fläche umgebenen trocknen Ortejedesmal die höchsten. Aehnliche Betrachtungen lassen sich bei Beurtheilungder Thäler und Bergrücken anstellen, da die Gesetze der Abspülung nicht dasDaseyn eines Bergrückens mit ebener Platte ohne Kuppen, und überhauptvon solchen Formen, wie umgekehrte Berge gestatten. In der topographischenZeichnung ist daher weiter nichts darzustellen als Grenzlinien und Licht undSchatten der schiefen Flächen. Die Grenzlinien eines Berges gibt die Auf-nahme desselben dem Zeichner an, und es hat demnach derselbe nur das hin-einzubringen, was die Gesetze des Lichts und Schattens fordern. Das Lichterewird durch mehr oder weniger weiße Fläche des Papiers, und Schatten durchVermischung des bekannten schwarzen Farbenmaterials, der Tusche, mit mehroder weniger Wasser bewirkt. Zwei Punkte der Neigungsfläche müssen alsGrenze bestimmt werden, zwischen denen alle Mischungen von weiß undschwarz liegen. Die Horizontalfläche wird durchgehends weiß angenommen,und nur der andere Grenzpunkt der schiefen Fläche wird von einigen bis zudem 45sten Grade, von andern aber bis zum 90sten bestimmt. Herr MajorLehmann ist für die erstere Annahme, indem er sagt: daß bei allen Abdachun-gen mehr denn 45 Grad haltend, die Felsen unzugänglich wären, und zerris-sene Flächen zeigten, deren etwanige Formen keine andere Bezeichnung alszusammenlaufende weiße und schwarze Partien zuließen. Woraus er folgert,daß die Horizontalebene mit dem vollen Lichte, nämlich weiß, die schiefe Flä-che von 45 Graden aber mit dem vollen Schatten, also ganz schwarz bezeichnetwerde; ferner, da die Stärke der Beleuchtung sich umgekehrt wie die Größeder Flächenwinkel verhält, so muß dann für die Bezeichnung, die Menge derschwarzen zur Menge der weißen Striche sich verhalten, wie der gegebeneWinkel zu seinem Erfüllungswinkel auf 45 Grad. Es verhält sich daher beieinem Winkel von 6 Grad, schwarz zu weiß, wie 6 zu (45 — 6) d. i. wie6:39 oder wie 2:13. Da nun aber die Menge der weißen und schwarzen Stri-che dem Auge so leicht als möglich zu schätzen seyn muß, so wird dieses weni-ger, bei einem Gemische von schwarz und weiß, als bei einem Gemenge vonschwarzen und weißen Strichen möglich seyn. Die Gestalt der gemengtenStriche muß aber auch so beschaffen seyn, daß das Verhältniß der Größe ihrerGemengtheile sich leicht schätzen und leicht darstellen läßt- Die gewöhnlicheRectangularform eines Strichs entspreche dieser Forderung am meisten.Bei gleich langen rechtwinklichen Federstrichen, womit eine Fläche gleichför-mig bezeichnet ist, verhält sich demnach die Menge der schwarzen Strichezur Menge der weißen, wie die Breite des schwarzen Strichs, zur Breite desnebenliegenden weißen Zwischenraumes, und man findet für jeden gegebenenWinkel das zukommende Verhältniß, oder den Zwisch enraum, wenn man die Zahlder Grade des Winkels von 45 oder resp. 90 abziehet. Bei einer Zeich-nung wird aber aus dem Strichverhältniß der zugehörige Winkel beurtheilet,wenn man die Zahl 45 oder resp. 90 mit dem! Werthe des schwarzenStrichs multipliciret und das Product durch die Summe der beiden Ver-hältnißglieder dividiret, Obschon es ganz einerlei Resultat gibt, ob man