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Encyclopädisches Lexikon der Erd-. Land- und Feldmessung / W.E.A. v. Schlieben
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178
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178 Mikrometer

hierzu dienen die Mikrometer, die darin bestehen, baß sich ,an der Sttllede, ein ebengeschliffenes Glas rix. uz befindet, auf weichet gewisse gleichekleine Theile ringeätzt sich befinden; man wird dann, da diese Theile ver-mittelst des OcularglaseS vergrößert ins Auge fallen, im Stande seyn, ge-nau die Menge der Theile zu schätzen, welche das Bild auf dem Mikrometereinnimmt; dergleichen! Mikrometer nennt man auch zur Unterscheidung von an-dern Werkzeugen zu ähnlichem Gebrauche, Mikrometer mit paralleler Scala.Herr Professor Schmidt in Gießen gibt in einer 1795 zu Frankfurt amMann erschienenen Schrift, sehr vollständigen und ausführlichen Unterrichtüber den Gebrauch der Mikrometer, worauf wir Leser, die von der Ein-richtung und der Anwendung dieses Werkzeuges genauer unterrichtet seynwollen, verweisen und hiervon im Auszuge nur folgendes mittheilen: Eseignet sich dieses Werkzeug besonders zu Messungen bedeutender Entfernun-gen, wo auf besondere Schärfe, wie bei milirärischtopographischen Aufnah-men, nicht viel ankommt. Herr Pros. Schmidt sagt in dem erwähntenWerke S. 21. daß er Beobachtungen damit gemacht habe, die das einemaleine Entfernung von 1095,4 Fuß, das anderem«! 1105,1 Fuß, im Mittelalso, 1100,5 Fuß bestimmten, die unmittelbare Messung aber 1091,6 Fuß,also einen Fehler von 3,9 Fuß getragen hätten. Herr Schmidt zeigt invielen Beispielen, wie das Mikrometer zur Auflösung verschiedener Aufgabenzu gebrauchen ist, und belegt seine Ausgaben mit analytischen Auflösun-gen. Um den Gebrauch des Werkzeugs so viel möglich auch für ungeüb-tere Mathematiker brauchbar und überhaupt für die Ausübung bequemer zumachen, hat Hr. rc. Schmidt nach gewissen Formeln Tafeln ausgerechnet,die wir unsern Lesern als ganz praktisch brauchbar, nach jenem Werke mit-theilen. Der Gebrauch der Tafeln ist folgender: da in der ersten Kolonnedie'Entfernungen eines Gegenstandes, von 1 Fuß wahrer Größe angegebensind, wenn die scheinbare, in Minuten und Sekunden angegeben ist, so mußman vorzüglich wissen, wie viel ein Theil des Mikrometers in dem Fern-rohre, dessen man sich bedienet, in Minuten und Sekunden ausmache. Manbemerke auf einer steifen weißen Ebene mit Strichen genau die Länge einesFußes, stelle hierauf das Fernrohr mit seinem Stative in horizontaler Ent-fernung nicht zu weit, so daß jene auf der Tafel bemerkten Striche, nochdeutlich durch das Fernrohr gesehen werden können, auf einer aus der erstenTafel nach Belieben genommenen Weite lothrecht auf. Der Herr Verf.hat hierzu beispielweise eine Entfernung von 625 Fuß gewählt. Hat mannun die Theile des Mikrometers, durch Anwendung des Fernrohrs um seineAre so gedrehet, daß sie mst den Grenzstrichen des auf der Tafel bemerk-ten Fußes parallel laufen, so visire man nach dem Gegenstände hin, undsehe zu, wie viele Theile des Mikrometers er bedeckt; wenn dieses z. B.11 seyn, so kann man sagen: 11 Theile geben nach der Tafel einen Win-kel von 5' 30", was gibt ein Theil, nämlich 30". Ist nun auf dieseWeise der Werth einer Theiles deß gebrauchten Mikrometers einmal be-stimmt, so wird nun die erste Tafel folgendermaßen angewandt, um die Ent-fernung rine« Gegenstände«, dessen wahre Größe») man kennt, zu finden:Mau visire nach dem Gegenstand«, bemerke die Anzahl der Theile, welchesein Bild auf dem Mikrometer einnimmt, und multiplicire dies«Zahl mit demWerthe eine« Mikrometertheils. Bettägt nun die wahre Größe einen Fuß,so gibt die Tafel, die zu der gefundenen scheinbaren Größe gehörige Entfer-nung unmittelbar an; wenn aber die wahre Größe mehr oder weniger alSeinen Fuß ausmacht, so muß man die aus der Tafel genommene Entfer-nung mit der wahren Größe des Gegenstandes, in Fußen ausgedrückt, mul-tipliciren, um die richtige Entfernung zu finden. Die zweite Tafel die-net dazu, die Entfernungen eines Gegenstandes au« zwei Mikrometerbeod-achtungen an den Endpunkten einer Standlinie, welche auf den Gegenstandin gerader Linie gehet, zu bestimmkn. Man ziehe in diesem Falle die bei-

) Soll wohl beißen Höbe.