durch eine gerade Linie, so gehet diese von Osten oder Morgen, dieGegend, wo die Sonne aufgehet, nach Westen oder Abend, oder der Ge-gend, wo die Sonne untergehet. Wenn man sich daher so stellt, daß Nor-den vor einem ist, so liegt'einem dann Suden im Rücken, Osten zur Rech-ten und Westen zur Linken.
Normallinie. So wird eine gerade Linie genannt, die eine anderegerade Linie in dem Punkte, wo sie eine krumme Linie berühret, rechiwinklichdurchschneidet. Ist abc Fig. 126. die erwähnte krumme Linie, dbg die ge-rade, die jene im Punkte 6 berühret, so ist dann be die Normallinie, alsoetwas ähnliches wie die Ordinate für eine angenommene Abszissenlinie.
Normalmaß. Die Einheit, wornach gewisse Längen gemessen unddarnach ausgesprochen werden, gibt die Bestimmung für das Normalmaß.Gemeiniglich ist dieses in der Meßkunst ein Fuß, der, wie sehr zu wün-schen wäre, ein bestimmtes, aller Orten gleiches Maß seyn sollre. Leiderist dieses aber nicht der Fall und der Geometer hat das undankbare Geschäfteüber sich, durch Reduction, die in verschiedenen Ländern verschiedenen üblichenLängen- und Flächenmaße, in das betreffende zu verwandeln. Aber auch diese Un-bequemlichkeit ungerechnet, ist man übrigens noch ganz im Dunkeln, wie großeigentlich ein Fuß ist. Es würde dieserhalb sehr gut seyn, wenn man durch-gängig ein gewisses Grundmaß festsetzte, das keiner Veränderung durch Ge-brauch und Zeit unterworfen wäre, uns das, wenn eS verloren ginge, leichtwiederum aufgefunden werden könnte. Da nun aber alles in der Natur, sogarder Stand der Fixsterne unter sich, mehr oder weniger, in längerer oderkürzerer Zeit der Veränderung unterworfen ist, so kann man wohl nur soviel verlangen, ein Maß zu haben, das den wenigsten Veränderungen un-terworfen ist. Hierzu sind schon vor langen Zeiten mehrere Borschläge ge-schehen, worunter wohl die Messungen von Graden größter Kreise auf derErdoberfläche und die Pendellängen, die vorzüglichste Berücksichtigung ver-dienen. Die mit so vieler Sorgfalt und mit so großem Scharfsinne unterLiesganig, Maupertuis, Bouguer, Condamine, Delambre und Mechain un-ternommenen Gradmessnngen, hat man zu der ersten Bestimmung als Unter-lage nutzen wollen, und das in der französischen Revolutionszeit unter demNamen Mdtre fundirtc Maß, wurde nach Bestimmungen französischer Mathe-matiker, aus der von Delambre und Mechain zwischen Dünkirchen undBarcellona ausgeführten Gradmeffung eines Stücks Parallelkreises gedachterbeider Orte, als der zehenmillionste Theil eines Meridianquadranten, festge-setzt. Bedenkt man aber, daß auch mit großer Sorgfalt gemessene Linienund beobachtete Winkel, dennoch nur einen gewissen Grad der Genauigkeitgestatten, der sogar nicht aller Orten schätzbar ist, und daß man nach einerReihe von Jahren, vielleicht mit Instrumenten operiren wird, die größereSchärfe gestatten als die bisherigen, auch die Art und Weise des Verfah-rens zuverlässiger gekannt ist; berücksichtiget man noch, daß Linien von be-deutender Länge, mehrmals gemessen, dennoch niemals ganz übereinstimmen,da selbst die Meßwerkzeuge der Witterung und andern Einwirkungen u-ter-worfen sind, daß man endlich, bei Gradmessungen gewisse Hypothesen, überdie Abplattung der Erde rc. annehmen muß, die doch noch so mancher Auf-hellung bedürfen; so wird man zu der Ueberzeugung gelangen, daß ein sol-ches Normalmaß von der Wahrheit noch bedeutend abweichen kann. Mitmehr Zuverlässigkeit könnte man das Pendel hierzu gebrauchen, da nachGründen der Physik, die Schwingungen eines vollkommen eingerichtetenPendels, von unveränderlicher Länge, an einer und derselben Stelle derErde, für kleine Schwingungsbögen gleichzeitig sind, und daß umgekehrt,die Länge eines Pendels, welches zu einer Schwingung eine gewisseastronomische Zeit, z. B. die einer Secunde gebraucht, für einen bestimm-ten Ort stets dieselbe ist; so ließen sich hieraus wohl genauere Ableitungen