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Encyclopädisches Lexikon der Erd-. Land- und Feldmessung / W.E.A. v. Schlieben
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211
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Petrographische Charten 211

Unter der dritten Classe wird begriffen 1 ) der Sandstein, und zwar sichunterscheidend in a) Conglomeratsandstein, b) bunten Sandstein, und c)Quaderstein; 2) der Flötzkalkstein und zwar a) nach der Flötz - und Alpen-kalksteinformation, b) der blasige Kalkstein oder auch Jurakalkstein genanntund c) der Muschelkalkstein; lj) der Flötzgips, 4) das Sceinsalz, 5) dasKreidegebirge, 6) das Steinkoylengebirge, worunter begriffen wird a) derKohlen sandstein, b) der Schieferthon, c) die Steinkohlen, ck) der Brand-schiefer, e) der Thonstein und f) der Thoneisenstein; 7) das Galmeygebirge,8) das Eisenthongebirge, 9) der Flotzkieselschiefer und 10) das Flötztrappge-birge. Hierzu kommen noch einige besondere Steinkohlenlager als A) diePechkohle , die Glanzkohle, die Stangenkohle, die Erdkohle und die Alaun-erde und B) die Braunkohle, die Moorkohle und das bituminöse Holz. DieGebirgsarten der Classe IV. theiler man ab in 1 ) Seifengebirge und 2) aufge-schwemmte Gebirge und endlich die zur Classe V. in 1) pseudovulkanische und2) ächt vulkanische.

Der Geometer der eine petrographische Charte eines Landesthekls aufzu-nehmen hat, muß sich vor allen Dingen mit dem Hauptstreichen (siehe Arti-kel: Bergwerkscharte) der unterirdischen Lager und Klotze bekannt machen undhierbei sowohl ihr Geschlecht, ihr Ausgehen und Einfallen, als auch ihreMächtigkeit, Textur und Farbe untersuchen; dann aber durch Messungendie Abstände, die von einer Gebirgsformation zur andern vorhanden sind,bestimmen. Die Festsetzung dieser Gegenstände ist oft mit großen Schwie-rigkeiten verknüpft, besonders wenn die Gegend sehr eben ist und nicht vonFlüssen quer durchschnitten wird, wo man gemeiniglich erst durchs Schärfendie unsichtbaren Lagerstätte der Fosilien aufdecken muß, oder durch die ober-halb befindliche, mit kleinen Steinen vermengte Dammerde auf das unterir-dische feste Lager schließen kann. Der Geometer suche daher vor allen Din-gen die Seitenufer der Flußthaler, die Böschungen der Hohlwege, die ent-blößten Kanten der Berge, die Gräbenwände, die Steinbrüche, die etwa vor-handenen Bergwerksstollen, Schachte, Kalkbrüche, Stollen, Brunnen, Berg-keller, Klüfte und Höhlen auf, und untersuche die hier entblößten Gesteinar-ten. Er wird finden, daß gemeiniglich die Gebirgsformation nach einer ge-wissen Folgeordnung in paralleler Richtung fortstreichet; hat demnach derGeometer auf diese Weise mehrere sich gezogene Abszissen und Ordinaten un-tersucht, so tragt er die aufgefundenen Resultate, nach ihren gehörigen, derNatur entsprechenden Abmessungen, in einen bei sich habenden Brouillonrißauf; hiernach laßt sich dann das Hauptstreichen und die Folgeordnung in ei-ner entferntem Landesgegend auf dem nämlichen Striche um so leichter aus-wickeln. Zur Vollständigkeit einer petrographischen Charte gehöret, daßeinige Breitenprofile von der Oberfläche der Erde, in der fraglichen Gegend,mit aufgenommen werden, die besonders die Thäler und Gebirgsketten unddie höchsten Gegenden des Landes anzeigen. Aus dem Höhenniveau mehrererparallel laufender Gebirgsketten läßt sich sodann beurtheilen, ob deren Ge-steinlager gleichzeitig oder von verschiedenem Alter sind. Aus der gleichenHöhe der Bergketten läßt sich vermurhen, daß sie in gleicher Zeitperivde un-ter Wasser gestanden und die nassen Riederschläge sich über alle Bergrückenzugleich ausgedehnt haben; findet man aber einige bedeutend höher, so läßtsich annehmen, daß sie als ältere Gebirge früher aus dem Wasser hervorrag-ten und nicht mit der trüben Masse bedeckt werden konnten, die aus demWasser niederschlug und daher ältere Entstehung vermuthen lassen.

Ueber manches hieher gehörige kann man nachlesen: Richters Taschenbuchzur Geognosie ec. Freiberg 1818. Boigt's prakt. Gebirgskunde, 1792.

Was das Zeichnen petrographischer Charten anbelangt, hierüber gibtHerr Bergrath Werner sehr zweckmäßige Anleitung, Ich theile hier meine»Lesern noch das Wichtigste jener Vorschrift im Auszuge mit.