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Encyclopädisches Lexikon der Erd-. Land- und Feldmessung / W.E.A. v. Schlieben
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264 Straßen abstecken

Straß en abstecken. Die Bestimmung der Anfang«- und Endpunk-te«, und die Richtungen, welche eine anzulegende Straße bekommen soll,sind die ersten Bedingniffe bei einer Straßenabsteckung. Es wird dann zurgeometrischen Aufnahme des fraglichen Terrains geschritten, ein Riß davonentworfen, und das Straßenproject in selbigen gehörig eingetragen. Hatdiese Arbeit die Genehmigung der hierüber niedergesetzten Behörde erhalten,so wird dann die unmittelbare Straßenabsteckung vorgenommen. DieRichtung der Mittellinie des Straßenzugs nach Anleitung des Riffes vonEntfernung zu Entfernung, und besonders an solchen Stellen, wo die StraßeWendungen bekommt, wird dann mittelst aufgerichteter Signalstangen bezeich-net; ist dieses geschehen, so wird von diesen Punkten aus, rechtwinklich aufbeiden Seiten, durch kleine Pfählchen die Breite der Straße und die derSeitengräben angedeutet. Wo es nöthig ist, können Zwiscbenpfähle geschla-gen werden, so daß die Straßenarbeiter von einem Punkte zum andern eineSchnüre ziehen können. In einer freien ebenen Gegend hat eine solcheStraßenabsteckung keine Schwierigkeiten; sie treten aber dann ein, wen»über Berg und Thal und besonders durch dichte Wälder die Straße geführtwerden soll. Im erstem Falle erleichtert es die Arbeit, wenn man zurSeite des Straßenzugs auf der Charte bestimmte feste Punkte hat, wo im-mer, von zwei solchen Punkten aus, durch aufgetragene unmittelbar gemes-sene Linien, ein folgender Punkt des Straßenzugs sich bestimmen läßt. Trifftman mit der Straße auf einen Wald, wie z. B. zwischen A und ß Fig. M,und es soll zwischen beiden Punkten die Verbindungslinie abgesteckt werde»,so findet sich doch gemeiniglich zur Seile ein Weg Arsß, oder auch einelichte Stelle im Holze, wo sich die Linien Ar, rs, sB und die Winkel beir und s mit einem Winkclmcßinstrumente bestimmen lassen. Aus diesenStücken läßt sich dann die Linie AB leicht berechnen. Hat indessen dieserWeg viele Winkel, so können die oft unvermeidlichen Fehler im Messen der-selben, den Winkel rAB doch so unrichtig machen, daß die gerade RichtungAB von der vorgeschriebenen bedeutend abweicht. Genauer wird man verfah-ren, wenn man vom Punkte A aus, durch den Wald die Richtung AC ab-steckt, mit welcher man glaubt fast auf B zu treffen, was sich schon ziemlichgenau, mit Beihülfe des zur Hand habenden Riffes der Gegend, bewerkstel-ligen läßt. Fände man nun aber, wenn man aus dem Walde herauskommt, daß AC nicht genau auf B wiese, so messe man den Winkel bei 6und die anliegenden Seiten AC und BC, so kann hieraus der Abweichungs-winkel CAB durch Rechnung gefunden werden, der dann bei A an die CtnieCA getragen, und so die richtige Richtung AB ergeben wird. Bei diesem Ver-fahren ist aber freilich nicht zu vermeiden, daß nicht in der Richtung AC einigesHolz weggeräumt werden muß. Auch lassen sich aus dem gemessenen WinkelACA und der Seite CB, das von B aus auf die Verlängerung von AC fallendePerpendikel Bq berechnen, und dann an die Punkte m, n, o in einer gewis-sen Entfernung von Ruthen, Perpendikularlinien mp, nt, vu auftrage»,deren Längen sich wie ihre Abstände vom Punkte A verhalten, und wo ma»dann schließen kann:

AC 4- Cq d. i. Aq : Bq = Am : mp u. s. w.,längs denen die bei p, t, u abgesteckten Stäbe, die wahre Richtung AB durchden Wald zeigen.

Befände sich aber der Punkt F selbst im Walde, so daß sich von C nachB nicht sehen ließ, so wird man doch, wenn man ein Stück Linie in derRichtung AC, in den Wald hinein hat hauen lassen, beurtheilen können, obman sich bei C linker oder rechter Hand von AB befindet. Demzufolge fälleman von B aus, eine Linie BC, bis an die Linie Aq, messe AC und BC,so wie auch den Winkel bei C, und berechne hieraus den AbweichungswinkelCAB.

Ein Verfahren, wenn von einem Orte A, nach zwei andern B und C,Straßen unter der Bedingung geführt werden sollen, so daß der gesammte

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