Band 
Erster Band. [Erste Periode.]
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174 l- Geschichte der Physik bis zu Lartesius.

seht wird, daß der Erdschatten blos in einem Theiledurch das gebrochene Licht erleuchtet werde z ).

Ueber die richtige Beschaffenheit des Sehens hatKepler alle seine Vorgänger bey weitem übertreffen.Vor ihm halten alle Optiker behauptet, selbst Mau,rolycuö und Porra nicht ausgenommen, daß voneinem jeden Punkte des leuchtenden Gegenstandes nurein einziger Strahl ins Auge komme. Dagegen be,hanptete Kepler mit Recht, daß von jedem Punktedes sichtbaren Objekts ein Strahlenkegel aufs Augefalle, und daß man das Objekt nur denn deutlich se-hen könne, wenn sich ein jeder dieser Strahlenkegelnach der Brechung in der Crystallliuse wieder in einemPunkte auf der Netzhaut vereinige, auf welcher alsodas Bild des Gegenstandes abgemahlt werde. Dahergiebt er nun die wahre Ursache an, warum die Weit-sichtigen sich der Convexgläser und die Kurzsichtige» derConcavgläser bedienen müssen, um die Objekte in einergewissen Weite vom Auge deutlich zu sehen. Er ge-steht ein, daß er dieser Frage drey Jahre lang nach,gedacht habe. Zuerst sey er der Meynung gewesen,die Convexgläser müßten daö Sehen deßwegen deutlichmachen, weil sie vergrößerten. Allein er habe gefun-den, daß dieß sich nicht so verhalte, die wahre Ursa-che sey vielmehr diese: durch die Convexgläser werdeder Strahlenkegel von einem jeden zn nahen Punktebey den Weitsichtigen so verändert, als wenn er zueinem entfernten Punkte gehöre, so daß nunmehr nachder Brechung im Auge die Spitze des Kegels auf dieNetzhaut zu liegen komme, da sie ohne Convexglashinter die Netzhaut fallen würde, und mithin demAuge kein deutliches Bild verursache. Bey den Wcit-

sichki,

7) Paralipom, p, 278.