ERLÄUTERUNGEN ZU Nr. 385—390:
Kritios und Nesiotes. 1. Hälfte des V. Jahrh. v. Chr.Attische Kunst. Marmorstatue des I/armodios,
Nach Thukidides Bericht VI, 54 hatte der Athener Ilarmodios, von Ilipparchos des Peisistratos Sohn an seinerFamilienehre beleidigt, mit seinem Freunde Aristogeiton gegendie Tyrannen sich verschworen und den llipparch bei denPanathenäen des Jahres 514 v. Chr. ermordet. Ilarmodios,von der Leibwache niedergehauen und Aristogeiton auf Befehldes überlebenden llippias gefoltert, fanden schon vier Jahrespäter ihre Sühne durch das älteste von Staatswegen errichtete
Kopf der Statue des Harmodios.
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Ehrendenkmal, die von Antenor ausgeführte Bronzegruppeder Tyrannenmörder auf dem Marktplatze. Da jedoch diesesWerk schon 480 v. Chr. in die Hände der Perser fiel und200 Jahre, nämlich bis zur Rückgabe durch Antiochus 1. inEkbatana aufgestellt war, hatten Kritios und Nesiotes denAultrag erhalten, das Werk zu ersetzen. Und nach demletztere# wird wohl unsere römische Marmorkopie gearbeitetsein, da der (in unserer Vignette gegebene) Kopf zu treuenAnschluss an das archaische Bronzeoriginal zeigt, um denKörper wesentlich verändert annehmen zu lassen, i J. 5 10v. Chr. aber die Körperdarstellung noch nicht so vorgeschrittenangenommen werden kann. Museo Nazionale zu Neapel .
Marmor. 1,95 m hoch.
Kritios und Nesiotes. /. Hälfte des V. Jahrh. AttischeKunst. Marmorstatue des Aristogeiton.
Die zweite Figur der vorstehend erörterten Gruppe derTyrannenmörder giebt den Attentat-Genossen des Harmodiosin einer bedauerlich ergänzten Darstellung, Erstlich ist einfremder Kopf lysippischer Kunstrichtung auf den Rumpfgesetzt, und dann ist der von der Chlamys umschlungeneArm mit einem Schwert ausgestatlel, während die Linke dieScheide des in der Rechten gesenkten Schwertes gehaltenhaben dürfte. Museo Nazionale zu Neapel .
Marmor. 1,95 in hoch.
387
GlOVCinm Pisano. f nach 1328. Alttoskanische Kunst.Martuorrelief vom Jüngsten Gericht.
Die in Nr. 218, 202, 238, 245 und 321 gegebenen Relief-tafeln mit der Geburt Christi , der Anbetung der Könige, dembcthlehemitischen Kindermord, der Darbringung im Tempelund der Kreuzigung ergänzt unsere Tafel mit dem JüngstenGericht, von welchem jedoch nur die linke Hälfte der Dar-stellung Platz fand. In der unteren Reihe sieht man dieAuferstehung der 'Loten, von der die vordersten rechts durcheine Frauengestalt emporgeleitet werden. Im mittleren Streifenführt eine gekrönte Frau (Ecclesia?), welcher ein Engelvorangeht, die Stände, an deren Spitze Papst und Kaiser,nach rechts, ln der oberen Reihe sieht man die sitzendenHeiligen und Erzväter, rechts die fürbittende Maria, gefolgtvon dem Erzengel Michael. Aus der Kathedrale von Pisa in das Museo Civico zu Pisa gelangt.
Carrarischer Marmor. 0,80 cm hoch.
388
Filippo Paladim. f 1614. Elorentinische Kunst. Aus demKries der sieben Barmherzigkeiten.
Wir haben von der Relieftafel, mit welcher l’aladini denFries der sieben Barmherzigkeiten des Giovanni della Robbia abschloss, in der Textvignette zu Nr. 328 bereits die ganzeAnsicht der Tränkung der Durstigen und in der Tafel selbst dieMittelgruppe gebracht. Unsere Tafel giebt einen zweitenAusschnitt, die Gruppe an der rechten Seite, in welcher sicheine Magd mit einer Amphora einer Mutter mit demdürstenden Kinde nähert. Am Ospedale del Ceppo zu Pistoja .
Farbige Terracotta, unglasiert. Kleine Figuren.
389
Unbekannter Meister. Ende des ij. Jahrh. OberdeutscheKunst. Die beiden hh. Johannes.
Das jugendliche Gesicht und das Huch charakterisierenausreichend den Fieblingsjttnger des Herrn, welcher jedochnicht wie gewöhnlich als Pendantfigur Mariens unter deinKreuze, sondern lehrend als Apostel und Evangelist gedachtist. Noch sicherer durch das Fellunterkleid und das Lammbestimmt erscheint der Täufer Johannes , dessen Gebärde mitder rechten Hand wohl mit den Worten >Ecce agnus Dei «zu erklären ist. Seitenfiguren von dem Flügelaltar mit derKatharinenlegende im Schrein. Pfarrkirche zu Besigheim inWürttemberg .
Holz, unbemalt. Lebensgros.se Figuren.
390
Unbekannter Meister. Um iJS°. Oberdeutsche Kunst.
Grabmal des Wolfgang Peisser.
Die Inschrift lässt schliessen, dass der Arzt WolfgangPeisser Professor der Universität Ingolstadt war, der »als dieeinzige Hoffnung der studierenden Jugend und des Vaterlandesverdiente, die himmlischen Chöre zu schauen <. Das ReliefUber der Inschriftplatte scheint die Wissenschaft in Gestaltvon zwei disputierenden Engeln darzustellen, zwischen welchendas Bildnis des Arztes. Oben zwei Gelehrtenmedaillons,unten die zwei knieenden Stifter (Kanzler und Dekan?) desDenkmals. In der Garnisons- (vormals Minoriten-) Kirchezu Ingolstadt .
Solenhofer Schiefer. 1,38 m hoch, 0,80 m breit.
Klass. Skulpturenschatz III, Band; Erl. Kl 'll.