Band 
Vierter Band.
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ERLÄUTERUNGEN ZU Nr. 487—492:

487

Unbekannter Meister. /. Jahrh v. Chr. Hellenistische

Kunst. Die mediceische Venus .

Die Echtheit der am l’linth der Statue angebrachtenInschrift: KAKOMKN1 lü Al[OAAOAUPOY AC-)1 INAlOi:Kl lUFl^KN ist und zwar wohl mit Grund, in Abrede gestelltworden. Alter die Entstehungszeit der Statue durfte wenigstens’mit der Lebenszeit jenes Kleomenes, der um 39 v. Chr. fttrAsinius 1‘ollio arbeitete, ttbereinslimmen. Denn weitab vonder Bedeutung der Venus von Milo oder selbst der vatika-nischen Kopie der Knidierin des Praxiteles geht sie auchnicht mehr direkt auf das praxitelische Vorbild, sondernvielmehr auf ein Original der hellenistischen Periode zurück,welches die Göttin als die Anadyomene darstellte. Aus demBesitz der Familie della Valle 1584 in den der Medici ttber-gegangen, kam die Statue 1584 nach Florenz . Uffizien inFlorenz .

Parischer Marmor. 1,58 m hoch (mit l’linth).

488

Apollonios und Tauris kos. 1. Jahrh. v. Chr. Hellenistische

Kunst. Der sog . Farnesische Stier.

Die Gruppe stellt die Rache dar, welche Antiope anDirke genommen, nachdem sie selbst durch Dirkes Hass denTod der Schleifung hätte finden sollen. Denn die beidenJünglinge, welche das grausame Urteil an Antiope auf demKithäron hätten vollziehen sollen, stellten sich als die vonAntiope auf der Flucht in die Ferge gebornen und bei einemBerghirten in Fliege gegebenen Zwillinge Zethos und Amphionheraus, welche natürlich gerne bereit waren, den Tötungs-befehl gegen Dirke zu kehren. Wir sehen daher beide imBegriff, diese an den wütenden Stier zu schnüren. Dabeisteht müssig Antiope, und sitzt ein wahrscheinlich den Berg-gott darstellender Knabe. Ausserdem erinnern ein. Hund,eine Schlange und kleineres Gelier, eine Syrinx, Leier undein Korb an Berg * und I Iirtenleben, wie an eine bacchischeFeier. Die ganz malerisch gedachte Gruppe, nach derAntiope des Euripides wohl erst im letzten Jahrhundertvor Chr. komponiert und wahrscheinlich zum Schmuck einesfreien Platzes von Rhodos bestimmt, wird von Plinius XXXVI.4. 21 als das Werk der obengenannten Künstler aus Irallesbezeichnet. Wie der Laokoon dürfte es bei der Plünderungvon Rhodos durch Cassius i. J. 43 v - ^hr. nach Rom gelangtsein und wurde erst in der Portikus des Asinius Pollio unddann in den Caracallathermen aufgestellt, wo es 1546 unterPaul 111. gefunden ward. Durch Guglielmo della Porta weit-gehend restauriert, kam die Gruppe auf Michelangelos Ratals Brunnenschmuek im Hof der Palazzo Farnese zur Ver-wendung, um endlich 1786 nach Neapel geschleppt zu werden,wo sie einige Zeit in der Villa Reale im Freien stand. Jetztim Museo Nationale zu Neapel

Marmor. Figuren überlebensgross.

489/90

Donatello. 13S6 — 1466. Florentinische Kunst. Bronzethüre vonS. Lorenzo.

Wir haben zu Nr. 484/5 bereits die Entstehungsdaten derSakristeithüren von S. Lorenzo gegeben. Anordnung undGegenstände sind auch hier der obenbeschriebenen Thürseiteganz ähnlich. In der Füllung oben links erscheinen dieMärtyrer Stephanus und Laurentius, im übrigen zumeistProphetenpaare ohne unterscheidende Merkmale, in der unterenFüllung die Sendung der Apostel. Sakristei von S. Lorenzoin Florenz .

Bronze. Kleine Figuren.

491

Michelangelo Buonarottl . 1475—1564- Florentinische

d

Kunst . Kentaurenkampf. Marmorrelief\

Neben der in Nr. 403 gegebenen »Madonna an der Treppe«spielt der »Kentaurenkampf« unter den vor 1494 entstandenenJugendwerken des Meisters eine Hauptrolle. Die Anregungdazu soll Poliziano gegeben haben, der im Hause Medici denjungen Michelangelo mit der Fabel vom Raub der Deianirabekannt machte und zur plastischen Wiedergabe aufforderte.Der genannte Gegenstand ist freilich fast nur an einem totim Vordergründe liegenden Kentauren, einer nackten, vonzwei Männern weggeschleppten Frau in der Mitte und einigenweiblichen Gestalten links im Hintergründe zu ahnen, dennim übrigen tritt uns nur ein Kampfgewühl nackter Männer imdichtesten Gedränge entgegen. Museo Buonarotti in Florenz .

Marmor. Unterlebcnsgross.

492

Unbekannter Meister. Ende des XV. Jahrh. OberdeutscheKunst. Die Verkündigung. Die Vermählung der h. Katharina.

Das Relief links giebt die Verkündigung in der gewöhn-lichen Anordnung: links Gabriel auf ein Knie gesunken, inbeiden Händen das Spruchband, rechts Maria am Betpultknieend. Oben schwebt die llalbligur von Gott Vater mitder Taube. Im Hintergrund gotisches Kammer-Inneres undein Maienkrug mit Lilien auf einer Truhenbank. Herkunftunbekannt. Germanisches Museum in Nürnberg .

Ilolzrelief. Kleine Figuren.

Das Relief rechts stellt die mystische Vermählung derh. Katharina dar. Maria, bekrönt, sitzt links auf einer Stein-bank, das nackte Kind auf dem Schoss, welches der vorihr knieenden Katharina von Alexandrien , charakterisiert durchdie Turbankrone, den Verlobungsring an den Finger stecktlm Hintergründe halten drei gemalte Engel ein Dorsale.Mittelschrein eines Altars ans der Katharinenkirche zu Nürn-berg. Germanisches Museum in Nürnberg .

Holz. 1,59 ; 1,37 m.

d;

Klass. Skulpturen schätz IV. Bt

Erl. X.