Band 
Vierter Band.
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ERLÄUTERUNGEN565 ^'

Unbekannter Meister. Anf VL Jahrh. v. Chr. Archaisch-griechische Kunst. Die Metopen des Tempels C von Selinunt .

Nach glaubwürdiger Ueberlieferung (Antiochus bei Thuky-dides VI. 4, 2) wurde Selinus um 628 gegründet, und mandarf daher die dem Stile nach altertümlichsten der Metopen,welche in den Ruinen von Selinus und Sicilicns überhauptgefunden wurden, samt dem Tempel C, dem sie angehörten,in das erste llalbjahrhundert des Bestehens der Stadt setzen.Kin weiteres Ilerabrücken der primitiven Arbeiten stündeauch mit der Leistungsfähigkeit des übrigen Griechenland in Widerspruch. Die linkseitige Metope giebt Herkules, welcherdie beiden bei Thermopylä ihr Unwesen treibenden SöhnederTheia, die Kerkopen, eingefangen hatte und gebunden an einerStange (an seinem Bogen) von dannen trug; die zweite Me-tope Perseus , welcher die Medusa beim Schopf fasst und mitder Ilarpe den Kopf durchschneidet. Dass nach der Sageaus dem Rumpf Pegasus entsprang, ist durch das Flügelpferdangedeutet, welches die »eberzähnigec Medusa an ihrenSchoss drückt. Links von Herkules steht dessen SchützerinAthene , ebenso wie die anderen Figuren das Gesicht nachvorne wendend, während die verhältnislosen Beine natur-widrig im Profil dargestellt sind. Einst polychrom. MuseoNazionale zu Palermo .

Sicilischer 'Puff. Unterlebensgrosse Figuren.

Angeblich Alkantenes. II . Hälfte des V. Jahrh . v. Chr.

Skulpturen vom Westgiebel des Zeustempels zu Olympia .

Pausanias V. io. 8 beschreibt, nachdem er den Wagen- |wettkampf des Oinoinaos im Ostgiebcl geschildert, den Kampf Ider Layithen und Kentauren bei der Hochzeit des Peirithoos, ;den letzten in der Mitte stehend, neben ihm Eurytion, derdie Deidamia an sich gerissen, dann Kaincus dem Peirithooszu Hilfe eilend, anderseits Theseus , mit der Axt gegen dieKc*ntauren kämpfend, von welchen einer ein junges Mädchen,ein anderer einen Knaben wegzuschleppen sucht. Die Mittel-gruppe giebt unsere Tafel, die Anordnung der übrigenTeile des Giebels zeigen Treus Rekonstruktionen in unten-stehenden Vignetten. Unhaltbar aber erscheint die Zuteilungder Gruppen an Paeonios (Ostgiebel) und Alkamcnes (Wcst-giebel), bezüglich deren I’ausanius von seinem Führer falschberichtet sein muss. Denn diese beiden hervorragendenSchüler und Gehilfen des Phidias konnten nur in der Artder Parthenonskulpturen gearbeitet haben, deren Spur manin den olympischen Giebelgruppen vermisst, während diebezeichnete Nike des Paeonios von Olympia sie durchaus er-kennen lässt. Die Inschrift der letzteren spricht auch nurvon den Akroterienfiguren, nicht von einem Tympanon desPaeonios am Jupitertempel. Wollen wir nicht an Künstlervon Elis selbst denken, so liegt es am nächsten, dass dieGruppen, zweifellos aus einer und derselben Werkstatt her-vorgegangen, ebenso mit dem Atelier des Ageladas Zusammen-hängen, wie die Parlhenonskulpturcn mit jenem des Phidias(Treu, Lange, Studniczka, Collignon). Museum zu Olympia .

Marmor. Uebcrlebensgross,

ZU Nr. 565—570:

567

Unbekannter Meister . /. Jahrh. v. Chr. Hellenistische Kunst.Die sogen, esquilinische Venus.

Die gegebene Deutung der Statue als Venus ist freilichunhaltbar, denn es handelt sich vielmehr um ein sich zumBade anschickendes Mädchen, welches um das Haar trockenzu halten, dasselbe mit einer Binde umschnürt. Dazu wirdan ein mit dem ägyptischen Kult der alexandrinischen Zeitverbundenes Bad gedacht werden müssen, da der auf einemToilettenkästchen (?) stehende Krug, welchen das abgelegteGewand zum Teil bedeckt, von der Uräosschlange umwundenerscheint. Gefunden 1874 in der Villa Palombara auf demEsquilin. Im Konservatorenpalast zu Rom .

Marmor. Lebensgross.

568

MinO da Fiesoie. 1431 — 1484. Florentinische Kunst. Marmor■grab des Grafen (Jgo v. Toscana .

Markgraf Uberto, der natürliche Sohn des Königs Ugovon Italien, war keineswegs Markgraf von Magdeburg oderBrandenburg oder, wie die Inschrift ihn nennt, von Anderburg,sondern ein Italiener und Markgraf von Toscana, wie auchsein Sohn Hugo, den Dante (Parad. XVI) als den granBarone nennt. Sein Todesjahr wird auf dem Sarkophag mitden Worten Obiit ano salutis millesimo p XII kal. Januariasangegeben. Das Denkmal wurde nach der unteren Inschriftals »vetustale contritum« erneuert 1481. In der Badia zuFlorenz .

Marmor. Unterlebensgrosse Figuren.

569

Michelangelo Buonarotti . 1475—1564. FlorentinischeKunst. Die Kreutabnahme.

Zu den letzten Werken des Meisters gehörig, blieb auchdie Kreuzabnahme, wie so viele Werke Buonarottis unvoll-endet. Im hohen Grade eindrucksvoll, verletzte es wohl dieBesteller durch starke Verhältnisfehler, worunter z. B. dieviel zu kleine Magdalena auffällig genug ist. Das Werkscheint auch dem Meister nicht entsprochen zu haben, denner schlug es in Stücke, und seine Freunde erlangten mitMühe die Erlaubnis, es durch Calcagni wiederherstellen zulassen. Seit 1722 im Dom zu Florenz .

Carrarischer Marmor. Ueberlebensgross.

570

'Johann Gottfried Schadow. 1764—1850. Deutsche Kunst.

Alarmorgruppe der Prinzessinen Luise und Friederike vonMccklenburg-Strelitz.

Nach der Inschrift am Plinth entstand das schöne Werkdieses Bahnbrechers der modernen Plastik im il. Regierungs-jahre des Königs PTicdrich Wilhelm von Preussen , somit1797. K. Schloss zu Berlin .

Carrarischer Marmor. Lebensgross.

iüsa

A

Der Westgiebel des Zeustempels tu Olympia . Rekonstruiert von ADOLF TREU.A TRF.U'S erste Anordnung. B TREU'S neueste Anordnung.