Organogenese. Vicrmächtige. 9
geboren sei, an sich trug-, wir haben ferner gesehen, wie Reseda die Cruclferenblüthedurch Vermehrung ihrer Grundzahlen fortbildet. Wenn nun diese Fortbildung hier inReseda odorala für den niederen Kreis eine Verdreifachung isr, so haben wir auchdiese niederen Paare verdreifacht, und bei dem Streben nach Ccntricikät tritt dem vonoben centrisch gewordenem Kelche als Gegensatz das die Eentricität von unten bestlin-wende, mittlere Blumenblatt zwischen das untere Paar, bei den sich zuerst entwickelndenBlüthen, hinzu und vermehrt so den Kreis der Pctalen auf sieben.
Wie diese Organe bei andern Arten der Gattung Reseda abweichen, ist interessantzu vergleichen, und wir werden hier recht klar davon durch die Natur selbst unterrich-tet, wie sie zu Werke geht, wenn sie ein morphologisches Bestreben zu erreichen beab-sichtigt. Sie schafft hier so viele Formenwechsel aus einem und demselben Typus, daßder Phytograph, welcher deren Extreme isolirt aus dem Auslande erhielte, vielleichtneue „Ordines" zu schaffen, hinreichende Veranlassung finden würde, so wie auch diekleine Gruppe der Resedeen selbst, dies intcgrircndc Glied der Crucifcren,bereits in allen isolirenden Systemen, zufolge des Jsolirungsprinzips einen „Ordo "für sich bilden muß, in glcichwichtiger Stellung mit Gramineen, Nubiaccen, Syngc-ncsisten, Leguminose» u. a. — —
Wissen wir noch aus Erfahrung, daß die Entwickelungsweise jener zerschlitztenPlatte aus einem Stipulenpaare dieselbe ist, welche wir bei Füllung mancher Ccucife-ren, d. h. also bei Rückbildung der Staubgefäße in Pctalen beobachten, so sindwir nach Erreichung des morphologischen Zieles auch dahin gelangt, physiologisch zubegreifen, was hier für das Leben beabsichtigt war.
Jener accessorische Staubfadenkreis trat bei den Cruciferen auf, als bedungen durchdie nothwendige Wiederholung der Zweizahl im Beginne der höchsten Klasse desReichs, damit es klar werde, wie immer im Höchsten das Ganze sich wiederholt undden Urgeist seiner Entwicklung noch einmal zur klaren Abspiegelung bringt. Blickenwir weiter um uns in der Natur, wie sie selbst sich auseinander gelegt hat, so sehenwir bald, wie die schon in der ersten Erscheinung der Blattkeimer bedungene Tendenzder Fünfzahl in der weiblichen Reihe der Thalamanthen gar bald für die weiblicheSphäre, also für Plaecnten und Kelchblätter erreicht wird: solche Ruhepunkte bietetam Schlüsse der Crucifcren Aslreearpus, unter den Papaveracecu Argemonc, unter denCapparidcen die Gruppe der Flaoourtieen; in der zweiten Ordnung die Formation derRnnuneulillorae, schon häufiger und in allen Familien, in der dritten der Tiliilloraevorwaltend. Parallellaufend gewahren wir die das männliche Prinzip auf gleicherStufe mit dem weiblichen, in den Zahlenvcrhältnissen natürlich von den entge-gengesetztesten Extremen sich begegnend*), mitentwickelnden Formationen der Cistillorae,Geraniillorac und Auraiitiillorae; so sehen wir hier auch in diesem männlichen Prinzip
*) Wie das männliche und weibliche Prinzip sich gegenseitig verhält, ist in der Floragermanica p. XLV11. <1. dann p. 2. u. 142, im Pflanzenreiche @.67. klar angedeutetworden. De Candvlles Ansicht also, daß nur eine Vielzahl von Organen nöthig sei, um dieHöhe der Organisation zu bedingen, schien uns stets gegen die Natur des weiblichenPrinzips» und der polygynische Zustand wurde von uns immer als ein Rückschritt, eine Auf-lösung der höhere» Einheitsidec, welche das wahre Weibliche concentrirt, betrachtet. JeneAnsicht gehört in ein subjektives, die Natur isolirendes und isolirt construircndcs System,dir unsere in ein objectives, die Natur in ihrer Integrität in sich aufnehmendes.
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