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EINLEITUNG.
im Innern der Götzentempel sich vorfindet — buchstäblich überall —, sodass diese phantastischenGestalten weder Zahl noch Maass, noch bestimmte Namen oder Deutung zu haben scheinen.
Nach der Abschiedsillumination in der Stadt Madura kommt die Stunde der Abreise ausIndien . Ceylon gehört schon nicht mehr zu ihm. Es ist vielmehr ein Stück jener indo-malaiischenWelt, welche aut den ersten Blick sozusagen einen Begriff gibt von dem sündlosen Zustande derMenschheit im Paradiese.
Dort tand die längst mit Ungeduld erwartete Begegnung des Thronfolgers mit den ausentfernten Gegenden auf der Yacht „Tamara“ zurückkehrenden Grossfürsten Alexander Michailo-witsch und Ssergius Michailowitsch statt. Ein gemeinsamer Ausflug in das Innere der Insel. DieSchätze des Tempels von Candv und „der Zahn Buddhas“. Erste unmittelbare Berührung mitder Religion, die von jenem alten „Weisen“, den das Volk zur Gottheit erhoben hat, gestiftetworden ist. Und rundum eine Natur von unversieglicher Schöpfungskraft, in das Türkisblau desHimmels hineinragende Berggipfel, unter denselben ein belebendes, gemässigtes Klima auf wenigeSchritte Entfernung von der unerträglichen Tropenhitze. Wie in dieser Region relativer Kühle demReisenden behaglicher zu Muthe wird, so fing auch der vom nahen Indien aus inspirirte Menschen-geist hier allmählich an, sich loszusagen von den groben Formen des sinnbetäubenden Heiden-thums. Im Buddhismus mit seinen nüchternen, einfachen, erleuchteten Ideen offenbart sichschon ein neuer Orient, der Orient mit einer versöhnten Vergangenheit, mit einer vernünftigerenGegenwart, mit einer tröstlicheren und thatkräftigeren Zukunft. Wenden wir uns zu der ebenverlassenen Welt des Brahmanismus, so finden wir in ihr nicht dieselben Kennzeichen derMenschlichkeit. Die in mystischer Weise aufgefasste Gottheit entzieht sich den Menschen und derErde, sie ist verschlossener, schrecklicher :
Das hehre Land, durchtränkt von Geistesfülle,
Erscheint dem Blick wie ein gewalt’ger Tempel,
In Berg und Nacht gemeisselt von Titanen.
Die Menge kniet vor duftenden Altären,
Im Weihrauch stehn der Götter Wahngestalten,
Uralte Bilder, längst verklung’ne Namen,
Dem Volk ein Hort und uns — ein Gruss der Ahnen.
Diese Unnahbarkeit der düstern Gottheit erscheint zugleich als die Stärke und als dieSchwäche des Brahmanismus. Die Stärke zeigte sich mit besonderer Deutlichkeit, als der Islam auldie heidnische Cultur eindrang: die Hindus gingen unter, aber sie hielten am Glauben lest undergaben sich nicht. Die Schwäche trat zu Tage bei dem Umsichgreifen des Islams in jenem Lande:die grausamen Kaiser, die Grossmogule, unterwarfen sich das Land und machten die Einwohnerzu Sklaven, was ihnen nur gelang, weil manche von diesen Eroberern eine scharf markirte Indivi-dualität besassen. Die in der Furcht vor den unsichtbaren, strafenden Göttern erzogenen Eingeborenenwaren bereit, abergläubisch vor den mitleidslosen muhammedanischen Herrschern niederzufallen.Jetzt, nachdem wir die Grenzen ihres früheren Reiches verlassen haben, wenden wir uns mit mehrVerständniss den vielbesuchten, von den Reisenden so oft beschriebenen und wol auch besungenenMausoleen zu. Da stehen sie vor uns in unparteiischer Beleuchtung, jene Gräber der blut-dürstigen Eindringlinge, die so oft für nichts Gnade und Erbarmen kannten. Wieviel Liebe undSorgfalt müsste man aufbieten, um die Schmach zu verscheuchen, welche diese Mauerumfassungengeschaffen hat, hinter denen in beängstigender Finsterniss, inmitten rächender Schatten, die mächtigenSultane das Jüngste Gericht erwarten. Und dennoch sind diese Gräber der Unterjocher Indiens herrlich und voll Grösse!