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Orientreise ... Nikolaus Alexandrowitsch von Russland 1890-1891 / verfasst von ... E. Uchtomskij
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DER EMPFANG IN AEGYPTEN .

Wenn man die Idee von Lesseps verwirklicht sieht, so kann man sich nicht recht vor-stellen, wie Orient und Occident bis dahin ohne diese Einrichtung auskommen konnten. DieRiesensummen der auf den Kanal verwendeten Kapitalien und der unermesslichen Arbeitsleistungengeben nur ein unvollständiges Bild von den Mitteln, welche zu einem Unternehmen erforderlich waren,das im Verlauf eines zehnjährigen Kraftaufwandes 380 Millionen Mark verschlungen hatte. Derüberaus nützliche Wasserweg besitzt nichts weniger als Naturschönheit.

Schon im Alterthum hatte man an eine Verbindung der beiden Meere nicht allein gedacht,sondern sich auch energisch daran gemacht, dieselbe auszuführen. Gleichwol war der Nil dashauptsächlichste Verbindungsglied. Die künstlich aufrecht erhaltene Schiffahrt ging nur durch ihnins Rothe Meer. Die Pharaonen sorgten für einen solchen Verkehr mit Ländern, die für sieverlockend waren. Die persischen Eroberer dachten nicht anders und handelten so, halb unbewusst,im Namen des Völkerwohls. Die aufgeklärten Ptolemäer Hessen keinen Gedanken an eine Schwä-chung dieses Verbindungsmittels aufkommen. Auch die Muhammedaner nahmen dasselbe anfänglichin Schutz. Indess ging die so überaus bequeme Communication doch allmählich ein. Um-sonst erhob Venedig seine Stimme zu Gunsten ihrer Benutzung, umsonst suchte Leibniz denBlick Ludwigs XIV. darauf zu lenken. Es bedurfte des mächtigen Einflusses von Napoleons Zugnach Kairo , um das Interesse für diese Verbindung wieder wachzurufen, dessen sie ohne Fragewürdig war. Seit jener Zeit haben die Untersuchungen der französischen Gelehrten diese Fragevon verschiedenen Seiten erörtert. Es tauchten Zweifel auf über die Ausführbarkeit des neuen Kanals.Im Kampfe der Ansichten und schwerwiegenden Beweise des Dafür und Dawider gediehen diekühnen Pläne von Lesseps zur Reife. Hätte Frankreich seine phantastisch klingenden Aufrufe un-beachtet gelassen, wäre die ägyptische Regierung nicht für ihn eingetreten, würde sich Englandnicht mit der Beredsamkeit eines Palmerston gegen das Unternehmen gewendet und dasselbe dieganze Wucht seiner Abneigung haben fühlen lassen was natürlich eine Reaction hervorrief unddie Thatkraft der Erbauer verdoppelte, so wäre die ganze Strecke, die jetzt eine Verbindungder wichtigsten Theile des Erdballs vermittelt, sicherlich heute noch eine Wüste und ein Morastgeblieben.

Heute aber bewegt sich diePamjat Asowa direct gegen Süden zwischen allmählich an-steigenden Ufern. Zuweilen trifft man auf unansehnliche Stationen mit kümmerlicher Vegetation.Es zieht sich eine Telegraphenlinie durch die trübselige Einöde. Die Sonne beginnt erbarmungsloszu brennen. Wie konnten die Tausende von Eingeborenen, fast bis zu den Schultern in demschlammigen, bittern Wasser stehend, die Arbeit in dieser Gegend aushalten! Wie hielten es hierauf dieser todten Landenge die angeworbenen Deutschen , Italiener, Montenegriner und andern aus,einer unerträglichen Hitze, der Gefahr epidemischer Krankheiten und der steten Besorgniss ausge-setzt, brotlos zu werden, falls den Erbauern die Mittel ausgehen sollten!

Es beschleicht einen ein eigenes Gefühl während der Fahrt durch den Suezkanal. DasRiesenschiff gleitet über die enge Wasserfläche dahin, mitten durch die eigenartigsten Landschaften,die man sich vorstellen kann: auf der einen Seite blendend grellfarbiger Sand, das Schweigender glühenden Wüste, hier und da einmal ein Zug Kamele und ein Trupp Araber, und hinteralledem eine hohe, dunkle, aus aufgewirbeltem Sande gebildete Wand; auf der andern Seite dieendlose Fläche eines traurig blinkenden Sees, des Menzaleh-Sees, auf dessen Inselchen und Un-tiefen zahllose Sumpfvögel, die für jenen Theil Aegyptens eine besondere Vorliebe hegen, inlangen, rosaroth und weiss schimmernden Reihen erglänzen. Auf der weiten, mit regungslosenVögeln übersäeten Fläche breiteten sich einst saftige Grasflächen aus, wohin halbnomadischeSemitenstämme zogen. Die dortigen Handelsstädte waren durch ihren Gewerbfleiss und ihrenLuxus berühmt. Die Nilarme mündeten hier, im Osten.