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Statt dessen bewegt sich auf dem Wasserspiegel ein kleiner zweideckiger Dampfer der unter-nehmungslustigen Compagnie Cook, welche die fremden Touristen, die Obei-Aegypten mit fiebei—hafter Hast durcheilen, heerdenweise befördert. Durch ein Opernglas kann man unterscheiden, wieEingeborene von der libyschen Bergkette gegen Luksor zu reiten und ihie bepackten Eselchenantreiben. Es mögen vielleicht Fachmänner in der geschickten Imitation von allerlei Alterthümernsein, die sich vor der scharfen Verfolgung seitens der Ortsbeamten in sicherer Distanz halten, daden letztem vorgeschrieben ist aufzupassen, ob unter den Fälschungen sich nicht auch echteSachen befinden, die einer vorläufig noch unbekannten Grabstätte entstammen.
Indem die untergehende Sonne die fernerliegenden Gegenstände beleuchtet, scheint siedieselben mit einem feinen, hellen Spinngewebe zu umhüllen, ihnen gleichsam einen durchsichtigengoldenen Schleier überzuwerfen. Nun ist auch das Tagesgestirn entschwunden, und alles umuns her hat einen grauen, düstern Ton angenommen. Nur ein schwacher Widerschein zieht sichnoch als dünner Streifen an der Stelle hin, wo die Sonne untergegangen ist. Plötzlich scheintes, als ob am westlichen Horizonte ein Vorhang weggezogen werde oder als ob ein Krater sichin der Ferne öffne: die ganze Umgegend leuchtet in blutrother Färbung auf. Der ru ige un wieein Meer grünliche Himmel füllt sich allmählich mit einer ganzen Schar flammender Wölkchen, dieunter einem Baldachin von der nämlichen Farbe schweben. Dann aber verdüstert sich wieder ebensoplötzlich das Gemälde; der Sand, der bereits zu glühen begonnen hatte, wird kalt, und hinter denPalmenhainen und Fellahhütten tauchen leichte Nebelwolken auf und steigen hoch empor. DieNatur scheint zweimal den Kampf gegen die Dunkelheit zu führen ehe sie gänz ich in ihr versinkt.
Es wird ganz dunkel. Ein leichter bläulicher Nebel wallt hinter dem Ni längs der Ebenezu den schwarzen, scharfumrissenen Felsen hin. Der Mond taucht still hinter den Bergen emporund beleuchtet die traurige, menschenleere Einöde, während er den zitternden Flussstreifen durchglitzernde Punkte bezeichnet. Die Sterne leuchten heller und heller auf. Die Milchstrasse. scheintfreundlicher und geheimnisvoller zu blinken. Rings umher kein Ton, keine Regung: nichts als
majestätische, endlose Ruhe.
Sonntag, 30. November.
Auf den an beiden Uferseiten sich ausdehnenden Hachen liegen weithin zerstreut die Ueber-
„ . , . . „ prfnniert sehr viel Zeit, sie aufmerksam zu besichtigen,
reste des „hundertthorigen“ Theben . Es erloraerr seui ’ i • 1. r
tv 1 a 1 onSpne Literatur wirft noch immer nicht genug Licht aut
Die ganze über Aegypten schon vorhandene mreiaiu . ö °. y ,
oll J r T. - r 1 -c- Ir Von all dem Grossartigen, Erhabenen , einst Heiligen und
alle darauf bezüglichen Einzelfragen. Von an ucu & ^ ,. , ,,
noch heute Schönen, wovon der die al,ägyptische Cultur in der Nahe studtrende Fremde um-geben ist, übt das „Todesthal“, das auf der dem Dorfe Luksor entgegengesetzten Sette hegt, die
sogenannten „Biban-el-Muluk“ (Konigsthore), den tiefsten Eindruck aus; es brrngt uns die wich-
.. , . , T ,-iEpr die sich der Aegypter ernst klar zu werden suchte
ügsten religionsphilosophischen Prägen, über die bj?
„ , , 5 F . T 1 j lWt vor Augen. Das Bild, welches uns dieser Anblick ge-
und denen er sein Leben weihte, direct vor nug . ,
»ährt, ist düster, eigenartig, geheimnissvoll und trotzdem sehr einfack Hier eröffnet sich unseine ganz neue Welt, eine Welt, deren Laute dem Herzen doch nicht fremdartig klingen.
Air TTfprrnnder des Nis baden sich m weichem Licht. Der Flecken
Ein kühler Morgen. Die Uterrander uc^
Tm 1 , ... tv . r on welchem die Dampfboote des Khedive, auf denen die er-
Huksor, rechts drüben am Ostufer, an weicuem 1 . . .. .. , ,, ..... . .
lo,. 1 , ta . , , ., n r 1 a Theben gekommen sind, liegen, ruckt allmählich m die
fauchten Reisenden und ihr Gefolge nacü rneueu ö > b >
Ferne zu den niedrigen Bergen. Um die Nekropole, d.e berühmten Grabstatten und Memnon.ender Pharaonen, zu besuchen, muss man sich nach dem Westufer überführen lassen. _
Die Ruderer kämpfen mit der Strömung. Der Fluss umspannt mit zwei Armen einsandiges Eiland. Die Landungsstelle ist seicht und das Landen daher schwierig. En, ganzer
Orientreise. I.