THEBEN.
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die Seele treffe dort in Wahrheit mit verschiedenen dämonischen Mächten zusammen und seiunerwarteten, gefahrvollen Einflüssen ausgesetzt. Unter anderm herrschte die Vorstellung, dieältesten entthronten Gottheiten seien schadenbringend.
Die Todten mussten erfahren, wer und was ihnen im Jenseits begegnen würde. Deshalbwaren die Priester bemüht, dergleichen Schrecknisse anschaulich darzustellen, und illustrirten, wenndieser Ausdruck erlaubt ist, an den Grabwänden die düstere Geschichte der Wanderungen derSeele jenseit der Grenzen der irdischen Welt. Die Schlangen versinnbildlichten die von überallherankriechende Finsterniss, sowie die den Aegyptern verhasste Verwesung. Man musste einenenergischen Kampf gegen sie führen und treue Bundesgenossen suchen; solche fanden sich auchunter den Himmelsbewohnern. Diese wurden mittels Beschwörungen angerufen, gaben der Seeledas Geleite während ihrer körperlosen Versuchungen und fanden gleichfalls Platz unter den
Zeichnungen der Grabwände. Hier ist z. B. das Bild irgendeiner ägyptischen Circe in hellblauem,sterndurchwirktem Gewände; mit einem Tuche bändigt sie ein scheussliches Gewürm — holdeAnmuth und greuliche Misgestält hart nebeneinander!
Ein junger Aegypter soll sich in Seti’s Grabstätte verspätet und dort die Nacht zugebrachthaben. Als man ihn am Morgen fand, sei er wahnsinnig gewesen. Kein Wunder! Es gibt
Dinge, die den festesten Verstand zum Wanken bringen, wenn übernatürliche Einflüsse unmittel-bar auf die Seele einwirken.
An der Decke der Gruft und über der Stirn verschiedener Genien, die an den Wändeno-emalt sind, schimmern Sterne. Hier ist auch eine Art Flammenwelt dargestellt, in welcher, wieim Fegfeuer, die Sünder Qualen ausgestanden haben sollen.
Es ist eine ganze Welt, die den Ideen des Kampfes mit der Finsterniss geweiht war und
durch besondere Bussübungen errungen werden konnte. Diese Welt war berufen, den grossenKönig, der bei Lebzeiten von ganz anderm träumte, in ihrem Kreise festzubannen. Er sah imGeiste Syrien und Palästina und dachte an die Vereinigung derselben mit Aegypten , er plante dieGründung fester Punkte in jenen Ländern, erwog die Anlage neuer Verbindungswege und sanndarüber nach, welche Vertraute er als Verweser dorthin schicken könnte. Mitten in dieserThätigkeit vergass der Herrscher aber nicht, dass in der thebanischen Nekropole ein Heim für ihnbereitet werde, und ermunterte die Arbeiter, die hier in der That viel Kunstverständniss ent-wickelt haben.
Heutzutage dient alles nur zur Befriedigung der Neugierde der Fremden, mit deren Vor-fahren ohne Zweifel schon Seti Krieg geführt hat; denn jedenfalls hat er, gleich seinen Vorgängern,auch gegen die arischen Stämme gekämpft, die dazumal durch alle Länder der damaligen Welt(durch Kleinasien, Italien , Westlibyen) zerstreut und der nilländischen Cultur feindlich gesinnt waren.
Mit gespannter Aufmerksamkeit lauscht man in der dumpfen Gruft der Erklärung derAegyptologen, dass hier unter anderm Schriften entdeckt worden seien, die von einer Vernichtungdes Menschengeschlechts durch eine ergrimmte Gottheit erzählen.
Der Sohn Nu’s, des unermesslichen Himmels, das Oberhaupt der Schar der Weltherrscher,der Gott Ra, fing an zu altern. Die Menschen merkten es und begannen ihn mit Hohn zubehandeln. Die andern Götter gewahrten dies, versammelten sich zur Berathung und bewogenRa, die Gottlosen zu bestrafen. Ein Blick Ras rief die Göttin Hathor ins Dasein. Diese brachtedem Menschengeschlechte Vernichtung. Endlich erbarmte sich Ra, liess das Würgen einstellen, undda er der Macht auf Erden überdrüssig geworden war, richtete er sich eine paradiesische Stätteein und bestieg, um auszuruhen, den Rücken einer gigantischen Kuh, die das Firmament vorstellt.Das Thier aber, das in einer Abtheilung von Seti’s Grab abgebildet ist, war der Sage nach vonsolch fabelhafter Höhe, dass es schwankte. Da befahl Ra dem Gotte Schu, d. i. dem Lufträume,