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gezwungen, entweder die Wahrheit zu entstellen oder, was richtiger wäre, die Thatsache an-zuerkennen, dass diese Weiber einer uns gänzlich fremden Welt angehören und dass nur derSinn ihrer Gesänge, ihre Mimik der Liebe, die Symbolik ihrer Bewegungen uns Europäer einiger-maassen interessiren kann.
Zwischen Dickichten von wirr durcheinandergewachsenen Sträuchern und Bäumen erhebensich grau und düster die Felsen, die den Eintritt in die verwaisten Göttertempel und dielängst verlassenen Klöster verwehren. Wer diese lange Reihe grandioser Werke der altindischenBaukunst besucht, diese unsterblichen Schöpfungen unbekannter Meister eingehend betrachtet hat,dieser Titanen, die den Gedanken gefasst hatten, ihre Gottheit vom Himmel auf die Erde herab-zuführen und sie hier für ewige Zeiten in Stein zu verkörpern, fühlt nach dem Besuche dieseraltersgrauen Denkmäler in seiner Seele bald das Nachwehen jener Epoche, die einen so glühendenGlauben zur Entfaltung gebracht und eine so überquellende Schöpferkraft entwickelt hat.
Um diese Kraft zu begreifen, muss man sich vor allem in die ferne Vergangenheit des
umgebenden Landes, des Dekhan, zurückversetzen.
In der Urzeit gab es hier nur dichte, von herumstreifenden Wilden bewohnte Wälder;von sesshaftem Leben, von geordneten Gesellschaftsformen, von irgendeinem höhern Ziele desDaseins war noch keine Spur vorhanden. Dann drangen in die dichte Waldwildniss nach undnach die thatkräftigen Arier ein, begründeten hier den Ackerbau, legten städteartige Ansiedelungenan, sicherten sich durch Befestigungen gegen die hartnäckigen Angriffe der angrenzenden Barbarenund verbreiteten in dem allmähli ch colonisirten Lande sowol ihren Göttercultus als ihre begeistertenGesänge. Einzelne Theile des Dekhan erlebten eine völlige Umwandlung. Unweit vom heutigenEllora, zwischen Roza und Dewletabad, erwuchs mit der Zeit eine ganze reiche Handelsstadt, in derzweifellos die damalige Bildung blühte und ein Quell jener geistigen Regsamkeit floss, die einstvielen altindischen Centralpunkten in jener glücklichen Zeit gemeinsam war, als Indien noch einselbständiges Dasein führte und unter der patriarchalischen Regierung halbmythischer Maharadschasstand. Zu jener Zeit entstanden die verschiedenen religiösen Bewegungen im Innern des Landesund riefen den Widerstand derjenigen hervor, die nicht gewillt waren, die Autorität der Vedasbedingungslos anzuerkennen und sich vor einer Handvoll übermüthigei Brahmanen-Oberpriester,die das gesammte Wissen zu monopolisiren trachteten, sklavisch zu beugen. Mitten aus demVolke trat ein selbständig denkender Prediger nach dem andern auf als Kämpfer für die höhere,sozusagen universelle Wahrheit. Sie unterzogen sich schweren Kasteiungen, sicherten sich nachund nach das blinde Zutrauen ihrer Zeitgenossen, und als sie endlich vom Volke für halbgöttlicheWesen gehalten wurden, verkündigten sie ihren unzähligen Jüngern und Zuhörern jene ethischeLehre, welche der leidenden Welt das Seelenheil und die endliche Erlösung gewähren wollte.Zur Zahl dieser Männer gehörte auch Buddha. Die sittliche Umwälzung, zu der er im Herzender asiatischen Völker den Grund legte, bildete eigentlich nichts Neues, weil die Lehrsätze, dieder jeglichem Sinnentand abholde Fürstensohn als Weiser verkündete, bereits von alters her denIndern bekannt waren. In dem zweifellos negativen Einflüsse der brahmanischen Weltansicht aufdas Leben und die Welt des Geistes ist die theilweise Erklärung des raschen Wachsthums undErfolges der buddhistischen Klostergemeinde zu suchen, dank welcher die Laien, denen nachWahrheit dürstete, den abstracten Inhalt der alten, dem gemeinen Volke ziemlich entfremdetenReligion in gemeinfasslicher Form empfingen. Als der Schwerpunkt geistiger Macht, im Sinneeiner Einwirkung auf die Massen, von der Kaste des Erbpriesterthums plötzlich auf den Stifterdes neuen Glaubens und auf seine unermüdlich thätigen Nachfolger überging, da gelangten diese