Mittwoch, 7. Januar.
De, Zug des Grossfürsten nähert sich der radschputischen „Siegesstadt“ (Dschaipur,sanskritisch „Dschaya-pura“). Diese Stadt ist von den vornehmsten blutsverwandten Rivalen derRators, dem zahl- und einflussreichen Stamme der Katschwaha, gegründet worden, dessen An-führer sich für die directen Nachkommen des Helden Rama halten. Ihr Gebiet ist in ökonomischerBeziehung blühend und hat schon seit langem Marwar überflügelt. Ihr Hof ist stets dem Fort-schritte nicht fremd geblieben, ohne dabei von der Vätersitte etwas aufzugeben.
Auch hier findet ein pompöser Empfang seitens des Maharadscha statt. Der hohe, dieStadt umgürtende Wall wird von tiefen Doppelthoren durchschnitten. Dorthin führt unser Weg.Abseits von uns prangt auf dem felsigen Bergabhange in colossalen weissen Buchstaben dasenglische „Welcome!“ Barfüssige, in veralteten Uniformen steckende Soldaten bilden auf demWege Spalier. Ueber zwanzig Elefanten erwarten die hohen Gäste und ihr Gefolge. Ein merk-würdiges Militärorchester, das sich alle erdenkliche Mühe gibt, die russische Volkshymne und das„God save the Queen “ in die Luft zu schmettern, lässt sich mit dumpfen Klängen vernehmen.Eine lange Reihe von Reitern, noch ganz mittelalterlich bepanzert und behelmt, zieht sich weithinden Weg entlang.
Ein jeder von diesen Radschputen gehört von Geburt aus zur alten, heutzutage allerdingsbedeutend an Ansehen gesunkenen Kschattriya-Kaste, deren Mitglieder niemand für ihresgleichenansahen und sich blos vor den Brahmanen zu beugen geruhten, die mit dem vollen Rüstzeug ihresGeheimwissens auftraten. Bis heute hält sich jeder Radschputerikrieger für einen Mann, der anGeblüt und Würde dem Maharadscha keineswegs nachsteht. Diese stolzen, kühnen, mit Speer undSchild bewaffneten Gestalten scheinen geradezu mitten aus längst verhallten Jahrhunderten heraus-gerissen zu sein. Diese typischen, bunt und auffallend gekleideten finstern Reiter wollen nicht sorecht zu den rosigen, von freundlichen Sonnenstrahlen übergossenen, im Tageslichte lächelndenStrassen der Hauptstadt stimmen.
Die Stadt bringt auf den Besucher einen gewaltigen Eindruck hervor. Die hohen Mauern,die sie umgeben, die Thore, welche den Zugang aus der Vorstadt zu den regelmässig angelegten