europäischen Nationen solches in Indien nie zu erdulden hatten. Die Engländer waren eben intGangesthal wie anderwärts im höchsten Grade unbeliebt. Dieses misliche Verhältmss zeigte sich1770 auf das grellste. Als gewiegte Kaufleute hatten viele Engländer, die Folgen einer herrschen-den Dürre voraussehend, sämmtlichen vorhandenen Reis aufgekauft, um ihn bei der sicher eintreten-den Hungersnoth zu Wucherpreisen zu verkaufen. Damals kam etwa em Drittel der Bevölkerungdes nordöstlichen Indiens vor Hunger um. In Bengalen starb )eden Monat etwa eine MillionMenschen; insgesammt mochten die Opfer an 10 Millionen betragen. Alle Strassen und Tempel,selbst die Felder und die Dschungeln waren mit sterbenden Menschen bedeckt. Die vielen Leich-name überall verpesteten die Luft, und gefährliche Seuchen entstanden daraus. Edle Frauen, die
nie die Schwelle ihrer Gemächer überschritten hatten, irrten auf den Marktplätzen umher; um jeden„och so schimpflichen Preis suchten sie für ihre Kinder einige Brosamen zu erhaschen. Sanft-
. . j- tt- j j: q Wnnrrprnnalen stumm hauchten sie die letzten Seufzer aus, ohne
müthig ertrugen die Hindus die Hungerquaien, ^ LUU
. , .. .f „ . . 1 T n iinnio-en Villen am Ganges hatten die Ausbeuter sich
sich wider ihre Peiniger zu erheben, in uppi ö eu. ö .. . TT .
niedergelassen, um sich nach einigen Jahren Thätigkeit mit nes.gen Vermögen m die Heimatzurückzuziehen. Die Fluten des heiligen Stromes wälzten unaufhörlich an diesen Lands, zen Opferder Hungersnoth vorbei; was kümmerte es die erfolgreichen Ankömmlinge? Die englische Ge-schichtschreibung selbst führt über dieses Raubsystem eine sehr beredte Sprache DasParlament, ... ,? , xr . . Indien der Fahr ässigkeit schuldig, aber kein spates Mitleid, keine
erklärte die englischen Vertreter m Indien uex in & & t ,
, ITrtheil der Geschichte vermochten die grässliche Unthat
nachträgliche Entrüstung, kein strenges urtne ,
& . T • J cv Kp,- iodem Volke sind entsetzliche Misstande denkbar; die Selbst-
gutzumachen. In jedem Staate, Del jeueui .
& , , • 1 -ci r-p lmnn sie überall hervorrufen. Aber diese sind sozusagen eine
sucht plutokratischer Elemente kann sie uua* . & .
L . . . , -Cwirrpn Generationen tragen. Wenn aber ein angeblicher Pionier
innere Staatsangelegenheit, deren Folgen Lrenerauuuc 5 ö
, , t • rm-icf Massen stiller geduldiger Asiaten gegenüber mit un-
der Civilisation, noch dazu ein Christ, Massen sun g & b &
menschlicher Grausamkeit auftritt, während diese als wahre Menschen sich bewahren, so beschleichenZweifel über manche Folgen abendländischer Culturarbeit.
einen
Der Name Bengalen kommt vom Sanskritwort „Banga“; so nennen die Sagen den Begründereines arischen Reichs in der Landschaft Schon Marco Polo und die arabischen Geographen. t j ü i Anrh unter den Moguls wurde unter diesem Namen das östliche
sprachen vom Lande Bangala. Auch unter u * . ,
± . 1 j , sich das Gebiet der Provinz durch die Eroberungen der
Gangesthal verstanden, doch erweiterte sicn u ■ r a ^
,, , , . . , D^unnnfra Der Westen hat seit langem schon m Gestalt des Islam
Muhammedaner jenseit des Biahmapuira. , T , ,
. —— — _ 1-1- horten Gebiete des Himmlischen Reichs zu Land und zu Wasser
mit Waffengewalt in die benachbarten vreuic T - a t a i ■ i-
, . & , A i a: p dazwischen sich ausbreitenden Lander Indochinas waren diesen
einzudringen versucht. Abei uie iw. .
^ , • , r- -p\ _ Anrh heutigentags beseelt das Abendland dieselbe Lust, und seine
Gelüsten ein kräftiger Damm. Auen neuu ö c g . o.., • ,
Kraft ist grösser als einst, denn früher wurde der Kampf mit gleichen Waffen geführt ,etzt aberbeugen sich allmählich die Bewohner Südostasiens in stummer Anerkennung der Ueberlegenheit
Europas^unter dis ^'^'pjLiindert sehnte sich Sultan Toglak, wenn auch erfolglos, das Gebiet des
. ' .. L„,.f 0 iipn Unter Aurangzeb hatten seine Feldherren Assam als Angriffspunkt
Bogdychan, China , zu uberlallen, unter au & a, 5 -
... ö / CTPffPn die Hauptländer der gelben Rasse ausersehen. Aber diese ent-
fur einen grossen Feldzug gegen ^ / .. , • , u-,, • , . ■> • , , ....
wickelte damals eine solche Lebenskraft, dass die turko-ar,sehen Volker nicht in das sich hartnäckigabschliessende Reich der Mitte einzudringen vermochten. Solange sich Nepal , Bhutan , Sikkim undTibet noch vöüiger Unabhängigkeit erfreuten, war das Herz Asiens von Südwesten her nichtzugänglich, ja selbst heute noch ist es für Europäer kaum zu erreichen. Die von den Lamaisten•deich Göttern verehrten Berge des Himalaya halten getreu die Wacht an den Grenzen des arm-
Orientreise. II.