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Orientreise ... Nikolaus Alexandrowitsch von Russland 1890-1891 / verfasst von ... E. Uchtomskij
Entstehung
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40
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SÜDINDIEN.

jVüorgen erfolgt die Abreise nach Bombay . In zwei Wochen etwa müssen wir von Indien Abschied nehmen. Die belehrenden Eindrücke, die erhebenden Gedanken und die in ihrer Fülleunerschöpflichen Bilder, die wir in diesem herrlichen Lande in uns aufgenommen haben, tretenabwechselnd bald in voller Klarheit vor die Seele, bald zerfliessen sie wieder in unbestimmteNebelbilder, wobei sich Gegenstände, Namen und Personen im Gedächtniss auf wunderbare Weisedurchkreuzen. Ständen mir nicht fast von Schritt zu Schritt eine grosse Zahl von Specialwerkenund Nachschlagebüchern zu Gebote, begleitete den Grossfürsten -Thronfolger durch das Land nichtein so feiner Kenner des Orients wie Sir Mackenzie Wallace, so würde die Hast, mit der unsereReise vor sich geht, in der Form und dem Inhalt, in welchen ich die Sehenswürdigkeiten desLandes und den Zusammenhang seiner Gegenwart mit der Vergangenheit in das Tagebuch ein-trage, noch deutlichere Spuren zurücklassen. Ich muss bekennen, dass die Liebenswürdigkeitder Behörden gegenüber den Wünschen des Landesfremden, über das Reich Ihrer Majestät derKönigin-Kaiserin Victoria Kenntnisse zu sammeln, über jedes Lob erhaben ist und in der Thatnicht übertroffen werden kann. Alle möglichen Fragen sind nach verschiedenen Gesichtspunktenaus den werthvollsten Quellen erörtert und aufgehellt.

Die officiellen Riesenwerke über Indien von der Art desStatistical Survey und desImperial Gazetteer bilden zusammen eine ganze Bibliothek. Leider besitzen wir Russen nichtsder Art, nicht allein in Bezug auf das asiatische Russland , sondern nicht einmal über Moskau naheGebiete. Hätten wir solche Werke, so könnten Resultate daraus gewonnen werden, die schonvom Nützlichkeitsstandpunkt aus für unsere orientalischen Grenzgebiete als unschätzbar betrachtetwerden würden. Sibirien , der Kaukasus , Turkestan würden als die blendendsten Edelsteine inder Zarenkrone glänzen.

Bis zur Stunde bleibt aber den Engländern in Asien das verschlossen, was gerade das Wich-tigste ist: die Seele der Völker, über die sie regieren. So muss es auch bleiben. Man kannder Geschicklichkeit Britanniens, über Oceane und fremde Machtgebiete zu herrschen, aus vollerUeberzeugung reichste Anerkennung widerfahren lassen, und doch wird jeder patriotisch, aber vor-urtheilslos denkende Russe seine Augen nicht der Einsicht verschliessen, noch verschliessen dürfen,dass zwischen Britanniens geordneter und unserer noch lange nicht geordneten Wirthschaft in den