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Orientreise ... Nikolaus Alexandrowitsch von Russland 1890-1891 / verfasst von ... E. Uchtomskij
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SUDINDIEN.

der den Soldaten in den Weg käme. Interessante Sitten, interessante Zustände, wo solche Er-scheinungen möglich sind!

Dieses Factum wird hier nicht angeführt, um Engländer zu kränken, wol aber zum Beweisdafür, welche Kluft in Indien zwischen den Regierenden und den Regierten besteht.

Hier wäre eine wahre Veranlassung, Entrüstungsmeetings zu organisiren, während es sonstin England hergebracht ist, solche in Form von antirussischen Demonstrationen zu veranstalten.

Im gegebenen Falle beschränkt sich das Interesse an dem geschilderten Rechtszustand nichtetwa auf das an sich ziemlich natürliche Factum, dass ein angetrunkener Soldat aus Albion ohneallen Grund irgendeinen Selim tödtete. Merkwürdig erscheint vielmehr das unnatürliche Be-nehmen einer entwickelten Gesellschaft, die einen Akt brutaler Gewaltthätigkeit nicht gerade gut-heisst, aber mindestens ihre ungebildeten Landsleute zu der Ueberzeugung erzieht, dass zwischeneinem Weissgesicht und einem Schwarzgesicht ein Unterschied sei wie zwischen Himmel undErde. Umgekehrt machen sich die Eingeborenen über die ihnen feindlich gesinnten rothen Uniformenlustig. Die Gaukler wagen, es, nach dem Zeugnisse der Engländer selbst, kleine Affen, die mitihnen auf abgerichteten Ziegen im Lande herumziehen, die Soldaten der britischen Armee nach-ahmen zu lassen. In den vierziger Jahren vertrieb sich der jugendliche Herrscher des mit Englandäusserlich befreundeten Nepal die Zeit damit, dass er zum Scheine Schlachten zwischen den Gorkhasund allerhand gemeinen Parias aufführte, welch letztem er die Tracht englischer Soldaten gab undderen Gesichter er weiss färben liess. Es ist klar, wer die Niederlage erlitt und die Schläge davon-trug. Das Spiel des Fürsten war immerhin der Ausdruck der Volksstimmung.

Um so mehr wäre im Interesse des modernen indischen Kaiserreichs zu wünschen, dassdie regierenden Kreise ihre Hauptaufmerksamkeit darauf richteten, die moralisch anormalen Be-ziehungen zwischen den verschiedenartigen Schichten der Bevölkerung zu verbessern. Vorkomm-nisse wie das zu Dumdum sind viel gefährlicher und unheilvoller als allerlei mikroskopische Grenz-conflicte im Norden oder Nordosten von Afghanistan . Der naiven europäischen Presse erscheintes allerdings zunächst weitaus ernster und wichtiger, wenn etwa der Telegraph die Nachrichtbringt, dass wir Russen irgendwo in Centralasien irgendjemand nothgedrungen Widerstand leistetenund ihm eine Niederlage beibrachten und dass Russland sich nach und nach seines richtigen undinnigen Verhältnisses zu seinem Orient bewusster zu werden anfängt. Für uns aber wird es trotzall unserer Gutmüthigkeit endlich Zeit, dort des öftern ein ernsteres «Quos ego» auszusprechen.

Nach einer competenten Quelle betragen die jährlichen Ausgaben der anglo-indischenRegierung für den Unterhalt der Armee in Indien weit über 400 Millionen Mark, d. h. die Landes-bewohner zahlen einen drückenden Tribut für die Sicherung der Macht einer ihm fremden Rasseund der ihm noch fremder erscheinenden Civilisation des Abendlandes. In den letzten dreissigJahren sind in Indien nur an Befestigungsarbeiten gegen eine Milliarde Mark aufgewendet worden.Ist das nicht allzuviel, da doch eigentlich niemand auch nur daran denkt, in Asien über Englandherzufallen, ja vielmehr dieses selbst beständig zu einer aggressiven Politik hinneigt?

Viel lehrreicher sind die Thatsachen, die darthun, was die Weisheit der anglo-indischenRegierung zur Steigerung der Productionskraft des Landes geleistet hat und noch immer leistet.

Wie schon bemerkt, beginnt Australien sich mehr und mehr für Indien und dessen ökono-mische Lage zu interessiren. Fragen der Bewässerung und landwirthschaftliche überhaupt spielendabei eine hervorragende Rolle. Nach Zeitungsberichten soll ein bekannter australischer Specialistim Bewässerungsfache nach Indien gekommen sein. Die russischen Ingenieure sollten sich wahr-