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Orientreise ... Nikolaus Alexandrowitsch von Russland 1890-1891 / verfasst von ... E. Uchtomskij
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IM REICHE DER ELEFANTEN.

Riesen zu binden. Er aber widersetzt sich hartnäckig, räumt alle Hindernisse aus dem Wege undverbirgt sich unter der Heerde seiner Genossen, aus welcher ihn auszusondern für den Jäger sehrgefährlich wäre. Die Kraft des vierfüssigen Ungeheuers ist so gross, dass den Leuten, die ihmFesseln umwerfen, jeden Augenblick Verderben droht, wenn es in der Arena wüthend zumSchlage ausholt. Das schlaue Thier trachtet bei jedem Schritt die Absichten des Menschen voraus-zusehen. Das Ende jedoch ist, dass dieser nur noch listiger vorgeht, Elefanten aus dem Pferchentschlüpfen lässt und das Hauptexemplar zwischen den Pfählen fängt. In dem Augenblicke, indem sich der Riese unbemerkt den Seinigen anschliessen wollte, lässt man auf ihn die dickstenQuerbalken fallen, das Thier erstickt beinahe in der Klemme. Halb ohnmächtig, spannt es ver-geblich seine letzte Kraft an, zu deren Entfaltung ihm jedoch der Raum mangelt. Die Holzblöckekrachen beim Widerstand . . . ganze Kübel Wasser werden über den tobenden Gefangenen aus-gegossen . . . man streut ihm Bananen und Zuckerrohr vor ... er aber wendet sich mit Geberdender Verachtung von dem Naschwerk ab . . . Da tritt einer von den Treibern mit der Pikenahe auf ihn zu: sofort wird sie ungestüm erfasst und wie ein Streichhölzchen in Stückezerbrochen. Mit grösster Vorsicht werfen jetzt einige erfahrene Leute dem Thiere eine Reiheaus Büffelfell geflochtener Riemen um, geschickt umwickeln sie es damit vollständig wie miteinem Netze. In solcher Umstrickung lässt man den armen Schelm in die Arena zurückkehren.Währenddessen werden ihm seine Beine mit acht fünf Klafter langen Stricken an die stärkstenPflöcke straff angebunden, sodass ihm die Bewegung zwischen denselben zur Qual wird.Nun wird ihm um den Hals eine Fangschnur, ebenso unauflösbar wie die übrigen Fesseln,geworfen, ein Ende des Lassos wird einem mit demselben umwundenen zahmen Elefantenübergeben, und siehe da, alle beide stehen in Freiheit. Der ungezähmte Gigant hat endlich dieAussichtslosigkeit seiner Lage und die Unmöglichkeit, seine Fesseln zu zerreissen, eingesehen.Noch einige Viertelstunden schlägt er um sich, dann aber übermannt ihn die Schwäche. Nun-mehr sollte jemand an ihn herantreten und ihn an seinen Standort im Stalle führen: doch wermöchte sich dazu entschliessen ? Langsam lenkt ein zahmer Riese mit einem Führer seineSchritte auf den wilden zu und muss sich wieder zurückziehen. Das gefesselte Thier hat denunerbetenen Mentor mit seinem Kopfe so heftig an die Stirne gestossen, dass dieser beinahezu Boden stürzt, der Reiter aber fällt und sich kaum noch am Sattelgurt festhalten kann. Manhat es augenscheinlich mit einem Thiere zu thun, das sich nicht zähmen lässt. In solchenFällen pflegt man es schonungslos in Banden liegen zu lassen, wobei es dann gewöhnlich anEntkräftung und Nahrungsmangel verendet. Wozu?

Im Gegensatz zu der Roheit, mit der man gegen solche Geschöpfe hier und da verfährt,benehmen sich die sanftmüthigen Siamesen, wenn anders den Erzählungen der Touristen Glaubenbeizumessen ist, gegen die Repräsentanten derselben Thiergattung sehr liebevoll, sobald sie nuretwas heller sind als ihre Mitgenossen. Vor zwanzig Jahren veröffentlichte ein beim franzö-sischen Consulat zu Bangkok angestellter Herr Lorgeau in denMemoires de la Societe Acade-mique Indo-Chinoise de la France ein originellesLied zu Ehren eines weissen Elefanten,welches dessen Lage in der ersten Zeit nach seiner Gefangennehmung schildert. Solche Liedersollen des Elefanten Kummer und Seelenleid lindern und stillen. Der Cultus riesiger Wesen, ohneRücksicht auf ihre Farbe, athmet den Geist des Brahmanismus, der in seinenSchastras (sia-mesisch satr) das Elefantengeschlecht in vier vollständig verschiedene Arten eintheilt: die eine ver-dankt ihren Ursprung Schiwa, die zweite Wischnu, die dritte Brahma, die vierte Agni, dem Gotte desFeuers. Aus den von diesen Göttern erschaffenen Wunderpaaren entwickelte sich eine gewaltigeNachkommenschaft, die die himmlischen Sphären und die Erde bewohnt. Einige Elefanten bringenvermöge der ihnen angeborenen Eigenschaften Unglück, andere Glück. Dieweissen Exemplare