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Orientreise ... Nikolaus Alexandrowitsch von Russland 1890-1891 / verfasst von ... E. Uchtomskij
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HONGKONG UND KANTON.

der sogenannte Fortschritt des Abendlandes, der doch im Grunde nur der Anarchie zugute kommt,wenn vor seinem geistigen Auge erhabene Gestalten emporsteigen, die Gestalten der in langerErbfolge mit ihm selbst verknüpften Imperatoren, jener Selbstherrscher, die vom Volkswohl keineandern Ideen hatten als die Ideen der Weisen? Welchen Sinn hat für den Bogdychan das Dichtenund Trachten nach dem Modernen, die Jagd nach der Popularität? Die Kaiser von China stehenvon alters her den breiten Massen des Volkes so nahe und doch wieder so unerreichbar hoch überihnen, wie sich ähnliche Verhältnisse zwischen Herrscher und Unterthanen nur noch in Russland

ausgebildet und bis auf diesen Tag erhalten haben.Dank seiner vortheilhaften geographischen Lagewar es dem Himmlischen Reiche bis zu einemgewissen Grade leicht gemacht, die Führerrollein den vom Ocean bespülten Ländern Ostasiens und sogar bis in die Tiefen des Continents hineinzu übernehmen, und so schlief es an der Schwelledes 19. Jahrhunderts den Schlaf der Friedensliebeund des Stillstandes. Der gelbe Mensch des Fest-landes hat von Natur aus keine Neigung zumBlutvergiessen, keine Lust am Kriegsgetümmel,überhaupt kein Bedürfniss nach aufregender An-spannung all seiner Kräfte. Seine Abneigung da-gegen ist instinctiv; sie hat sich, zusammen miteiner gewissen Verachtung alles Militärischen,unter dem Einflüsse des Bewusstseins entwickelt,wie ohnmächtig gegen ihn, den gelben Mann,selbst seine tapfersten, unruhigsten Nachbarnseien. Das Riesenvolk hat sie entweder alsRebellen vernichtet oder sie noch öfter sichdurch die Macht seines Einflusses fast unmerkbarassimilirt. Als ihm nun vom Schicksal be-schieden war, neue, höchst gefährliche Feinde,die Europäer, kennen zu lernen, da gebrach esder selbstzufriedenen chinesischen Regierung allzusehr an Willenskraft und Energie der Gefühle,als dass sie sich die Wahrheit über ihre eigeneZurückgebliebenheit einzugestehen vermocht hätte.Sie fährt noch immer fort, sich für den Mittel-punkt der Erde zu halten, ohne eine Ahnungzu haben, wie schwer sie diese rührende Selbst-verblendung zu büssen haben wird. Der Bogdychan thront auf einemDrachen -Thron. DiePerson des Herrschers schauen, heisst des Drachens selbst ansichtig werden. In frühem Zeiten,in den Tagen der Macht, war derUrahn und Lenker Chinas zugänglicher, nicht allein denSeinigen, sondern auch seinen Unterthanen und den Gesandten aus der unbekannten Fremde.Heutzutage, da der politische Verfall des Reiches in vollem Gange ist, umgibt den Herrscher einestrenge Etikette mit grossem Geheimniss und entzieht ihn soviel wie nur möglich auf das sorg-fältigste den indiscreten Blicken der weissen Fremdlinge.

HOHE WÜRDENTRÄGERIN AM CHINESISCHEN HOFE.

WM