265
solange es Zeit ist, die schlechten Eigenschaften aus oder erstickt sie im Keime. Die Neigungder Unmündigen auf dies oder jenes mit Hülfe von Naschwerk oder eines wenn auch unschul-digen Betruges zu lenken, gilt für unerlaubt.
Die Eltern fordern nicht allein theoretische Kenntniss der Ethik, sondern bestehen auch aufderen praktischer Anwendung. Zu diesem Ziele gelangen sie ohne Strafen; von der Wiege anflössen sie den Kindern Gehorsam ein und lehren sie, sich selbst Schranken zu setzen. Die mit-einander durch nächste Blutsverwandtschaft Verbundenen bilden ein gemeinsames Ganzes und findensich zur Förderung des Gemeinwohls in Versammlungen zusammen, wo die jungen Männer nütz-liche Sentenzen laut vorlesen, dann aber jeder der Anwesenden eingeladen wird, frei und aufrichtigzu bekennen, ob er nicht mit diesen oder jenen Schwierigkeiten des Weltlaufes (Schulden, Steuer-rückständen, Rechtshändeln u. s. w.) zu kämpfen habe.. JedeAngelegenheit wird gemeinsam geprüft, für jede Sacie eine. 1ledigung gesucht, und wenn die Möglichkeit vorliegt, springtman der Noth des Verwandten mit einer Geldsammlung bei.
Dieses Verfahren verhindert vor allem die Vermehrung er ettei,deren es in China wenige gibt. Es kann übrigens einer auc i nicrtleicht ein Proletarier werden, solange er nicht seine näc stenBlutsverwandten von sich zurückgestossen hat. Dann a ei . 'diese Unterstützung der Armen durch ihre \ eiwan ten
selten von Verbrechen zurück. _ . . ,
Das Weib ist als Mutter und Frau verhältnissmässi^ 10c 1
gestellt; sein Leben ist von fremden Einwirkungen un er U1rangen möglichst abgeschlossen. Die Ehen werden nach . demErmessen der Eltern und der „Berathung mit den Ahnen em ö egangen, ungesetzliche Verbindungen werden nach Landessittennicht geduldet. Trotz dieses scheinbaren Zwanges finden tiejungen Eheleute nicht selten ihr Glück. Der Ehe voiaus ö etenc eLiebesgefühle fallen eben nur selten zu Gunsten der u ran t aus,erst die Zeit kann das gegenseitige Verhältniss des aepaaies
festigen und bewusste Liebe entwickeln. . , ..
Vom gemeinen Mann bis hinauf zum Monarchen sind alle
von dem Bestreben durchdrungen, die Thaten der Vorfahren imGedächtniss zu behalten, da man in jedem Augenblick des Lebens
seine Abhängigkeit von den Geistern fühlen muss. Alljahrhch pflügt der Bogdychan in derHaupt- und Residenzstadt ein Stück Land persönlich, die höchsten Beamten thun dasselbe m der
Provinz die Kaiserin aber füttert Seidenraupen.
1 „ , , ajp Behörden wollten auf diesem Wege beim Volke die Lust zur
In Europa glaubt man, die ücnuiu ,. V . ....
4 . . , tv „1VÜ1- cnnz richtig. Der Kaiser und die Kaiserin geben nicht blos ein
Arbeit erwecken. Dies ist nicht ganz n 5 b
Beispiel der Arbeitsliebe an und für sich, sondern auch der kindlichen Ehrfurcht, die der Ahnen -
cultus erfordert und deren Resultat die Arbeitshebe ist.
Die Sorae für die Wohlfahrt der Wesen m der Welt des Jenseits grenzt allerdings zuweilendas Seltsame Stirbt z. B. ein Knabe, so darf man ihn nicht für immer ledig lassen, er würdesonst in der neuen Welt vor Langeweile vergehen. Deshalb suchen die Eltern den Namen einesverstorbenen Mädchens ausfindig zu machen, dessen Geburts- und Sterbetag dem des Knabenastrologisch günstig entspricht. Dann wird deren „Hochzeit nach dem Tode“ arrangirt. Zur be-stimmten Zeit führen sie die den Bräutigam darstellende Puppe ins Haus der Braut, von dort kehrt
Orientreise. II. ^
CHINESIN
(mich einer einheimischen Zeichnung).