DRITTES KAPITEL
DER THEORETISCHEN FLUSSBAUKUNDE,
Uebersicht der wesentlichsten Grundsätze und Maximen des rlufsbaues.
f. 144 .
speciellen und praktischen Maximen des Flufsbaues, nach denen der
he ich zu den
Flufsbaukundige wenigstens naherungsweise verfahren mufs , wenn er mit Erfolg anFlüssen bauen, oder ihren rauf verbessern will, übergehe, wird es nothwendig :nicht nur die im ersten Kapitel aus der Natur der Flüsse abgeleiteten Grundsätze ineine uebersicht und einen Zusammenhang zu bringen; sondern auch noch einige hin-
zuzufügen , die darin nicht aufgenommen werden konnten. Diese Grundsätze sindfolgende :
145. In so ferne die Richtung der Flufsrinne , des Stromes Angriff auf die ufer
und Dämme bestimmt, mufs bey allen solchen Flüssen, deren Bett versandet undderen concave ufer im Abbruche liegen, der rlan des Ingenieurs dahin gerichtet seyn,
a) die Flufsbahn möglichst geradelinigt zu führen, b) die Flufsrinne der mitte des
Bettes zu nähern und c) ihr einen möglichst regelmäfsigen Abhang zu geben. ($. Ö3.)Selten wird er diese Absicht durch in die Flufsbahn hineintretende Bauwerke errei-
chen können, indem dieselben eine menge widerstrome hervorbringen, und das Bett
vor ihrem Kopfe vertiefen; folglich die Stromrinne anziehen. Besonders tritt dieserFall bey grofsen Flüssen, und solchen die viel Eis führen, ein; wie z. b. bey demnhein, der Donau, der Elbe und dem Inn . Wird nun der Abhang des Bettes vergrö-fsert; so nimmt die Neigung der Oberfläche 1 ^und die Geschwindigkeit zu, folglichmüssen die nochgewässer und Eismassen schneller abgeführt, das Aufthiirmen derlelzern verhindert und die ueberschwcmmungen vermieden werden.
§. 146. Alle diese wohlthätigen zwecke kann der Ingenieur mit Durchstichen(die man auch rluf&canäle nennt) oder mit der Geradeleitung der Flüsse hervorbringen.
Diese letztere mufs jedoch bey den schiffbahren Flüssen mit der gröfsten Vorsichtentworfen werden, weil sonst die daraus hervorgehende Zunahme der Geschwindigkeitfür die Schiffahrt nachtheilig werden könnte. Bey solchen Flüssen, die im volluff-richten Stande (*) eine mittlere Geschwindigkeit von 5 schuh haben, kann die Gera -
(*) Darunter verstelle ich den ström, welcher so hoch anschwellt, dafs er diejenige Hohe erreicht, biszu weicher das weidenholz längs den ufe.n wächst, und die am Rheine und der Donau 5 bis 6 i/'-i