DRITTES KAPITEL
DER PRACTISGHEN HAFENBAUKUNDE.
Von den schiffsdocken *
§. 187.
Die Erklärungen und Eigenschaften guter schiffsdocken , das sind den Kammernvon schleusen ähnliche Bassins, worin die schiffe im Trocknen gezimmert werden,so wie die anzuwendenden Grundsätze bey ihrer Anlage, werden der Beschreibungder merkwürdigsten vorangehen müssen, um dem plane dieses Werkes getreu zubleiben. Ehe ich die ersteren mittheile, mufs ich folgendes bemerken! Die kleinenschiffe werden auf Hellinge, oder schrägen Stellagen, gezimmert. Eine Helling bestehtaber aus eingerammten pfählen, auf welchen Holzstücke, geneigt, liegen , deren Län-ge die Länge des Schiffskieles übertrifft. Ist eine solche schräge Fläche so einge-richtet, dafs darauf . in der Quere Lagerhölzer, Stapelhölzer oder Stapelblöcke ge-nannt, liegen, so heifst die ganze Vorrichtung ein Stapel oder schiffsstapel , d. i. dieschräge schiffsbaustelle. Der Bezirk, worauf sich der Stapelplatz oder mehrere Sta-pel und Hellinge befinden', ist das Schiffswerft (chantier ou Attelier de construction)oder auch cale pour la construction de raifseaux. Schräge Flächen, auf denen dasHolz aufgewunden wird, die auch in den Kays angebracht werden, heissen cales dequay; ich möchte sie Aufwindßächen nennen.
Ein schiff vom ßtapel lassen, heifst Ablaufen. Die Methoden, wie die Schiffevom Stapel gelassen werden, sind bey allen Nationen verschieden. Wer sich darüberunterrichten will, den verweise ich auf das französische Dictionnaire de la Marine,auf RÖdings vortreffliches Wörterbuch der Marine, und auf la Description des troisformes, au port de Brest, par choquet. Ich bemerke hier nur: dafs die Franzosendabey um so vorsichtiger zu werke gehen müssen, weil sie auf dem werfte dieSchiffe vollkommen ausbauen, welches die Holländer nicht thun. Diese lassen denSchiffsrumpf, sobald er bis auf die nöthige Hohe, um im wasser zu gehen, behauchtoder beplankt ist, von Stapel, und bauen den Rest im wasser. Dieses ist auch dieUrsache, warum ehemals nicht eine trockene schiffsdocke in Holland existirte.
188. Das Ablaufen der schiffe zu erleichtern mufs die schräge Fläche, wel-che von den Stapelblöcken gebildet wird, eine Neigung nach dem Hafen haben. Sie