§. 177. Wer die Passage der schiffe durch, die gewöhnlichen Balken - Durch-lässe (ohne Kammern) mit angesehen hat, wird zwey Erscheinungen beobachtet ha-ben, die man auch bey allen Freyarehen der Mühlen wahrnehmen kann: l) die denDurchlafs durchströmende Wassermasse erhält, vermöge der Acceleration, welche siedurch den Fall über dessen abschüssiges Bett und den Druck des Stromes auf dieOeffnung des Durchlasses, ausübt, eine geringere Hohe, je mehr sie sich von dereigentlichen Balken - oder Schutzöffnung entfernt. Diese Senkung der Oberfläche desStromes im Durchlafs, verursacht daher der Schifffahrt einen wesentlichen Nachtheil,indem die Schiffe auf die Sohle des Durchlasses aufstofsen. 2 ) Die Zunahme derGeschwindigkeit wird besonders dadurch hervorgebracht, dafs die durchströmendeWassermasse aus den engen Profilen des Durchlasses in die weitere Flufsbahn tritt;und die Sohle einen Fall hat; die Höhe des Wassers nimmt also ab, wenn diewände des Durchlasses parallel sind. Diefs letztere beruht auf den unumstöfslichenGrundsatz Band I. Seite 56 , dafs sich die Profile, wie die Geschwindigkeiten, verhal-ten, 3) Bewirkt die durchströmende Wassermasse, bey einer zu kurzen Sohle derDurchlässe, abwärts denselben, eine Wellenbewegung, dehnt sich daher im Flusseseitwärts aus, verursacht also Wirbel und widerströmen, nicht selten Versandungen,die der Schifffahrt nachtheilig sind.
178. Ich will daher einige Mittel, zur Abwendung dieser Erscheinungen,angeben, und zugleich noch einige vorsichtsmaasregeln, die bey Anlage der Schiffs-Durchlässe zu befolgen sind, in diesem §. mittheilen.
Diese Erscheinungen werden folgendermaafsen vermieden : l) ziehe man dieWände des Durchlasses unterhalb dergestalt zusammen, dafs sie um J, f bis '-§• derBalken- oder Schützöffnung, je nachdem der Fall geringer oder stärker ist, abwärtssich nähern. 2) Da ein Schiff in solchen Durchlässen an jeder Seite 12 bis 18 zollSpielraum, wegen des an den seitenwänden derselben auflaufenden Wassers , habenmufs : so ist erst die untere oeffnung des Durchlasses, und dann diejenige, worindie Balken gelegt werden, zu bestimmen. Auf dieser geringen Weite müssen auchdie Ufer, längs dem Sturzbette des Gerinnes, liegen, und nicht eher divergiren, bisin den Flufs keine schädliche Seichten statt finden können, 3) Ist der Flufs der-gestalt mit Faschinenbauwerken einzuschliefsen, dafs die Schiffe,, wo möglich,auf eine Entfernung vom Durchlässe, welche hundertfach so grofs, als der Falldes Durchlasses ist, einen bis drey Schuh Wasser (unter dem Boden) finden, damitder Zug gegen die schnell vom Durchlafs ausströmende Wassermasse desto wenigeranstrengend sey. 4) Ist nach der Erfahrung die Sohle des Durchlasses, folglich auchdie Seitenwände, von der zu verschliefsenden Oeffnung angerechnet, 30 bis 50 mal solang, als der Fall des Durchlasses beträgt, zu machen, dem unterhalb den wändendes Durchlasses anzulegenden Sturzbette aber die Länge, welche das zehnfache des Falls,den der Durchlafs hat, beträgt, zu geben. Diese Maximen sind auch bey der Anlage einzel-