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Geschichte der physischen Geographie der Schweiz : bis 1815 / von B. Studer
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katholischen und protestantischen Cantonen. Nach wieder-hergeslelltem Frieden, schlossen die bei dein alten Glaubenbleibenden Cantone sich ab gegen ihre neugläubigen Nach-barn und verloren hiedurch an geistiger Anregung. Wallisund Luzern sind seit dieser Zeit zurückgegangen. Fast ebenso verderblich, wie hier die Furcht vor dem Eindringenketzerischer Lehren, wirkte in protestantischen Cantonen dieSorge der das Schulwesen beherrschenden Geistlichkeit fürdie Reinheit des orthodoxen Glaubens, die ängstliche Abwehrgegen die Cartesianische Philosophie, die das Studium derNatur begünstigte, und jede Neuerung, die der Kirche ge-fährlich, oder für ihre Zwecke nutzlos erschien.

F.rst 1669 wurde die Cartesianische Philosophie in Genf durch Chouet (1642-1731) früher Professor in Saumur ,nachher Conseiller in Genf , eingefuhrt. Durch den ProfessorDavid Wyss gewann sie, seit 1662, ungeacht ernstlicherVerwarnungen des Raths und der Geistlichkeit, auch inBern Anhänger. Noch am Schluss des Jahrhunderts verfolg-ten die Regierungen von Bern und Zürich alle, die nichtzu dem orthodoxen Glauben der Formula consensus hielten,mit Gefängniss, Verweisung und Geldstrafen. Selbst Todes-urtheile über diejenigen, die vom orthodoxen Glauben ab-wichen, und Hexenprocesse, die oft mit dem Feuertod en-deten, kommen noch vor. Im Jahr 1628 wurde in Genfeinjunger Studirender, Remond de la Croix, wegen Verspottungder Geistlichkeit und Profanalion der h. Schrift, zum Todverurtheilt. Seine Eltern erhielten mit Mühe, dass die Strafein Excommunication , öffentliche Verdammung und Aus-stossung aus der Gemeinde umgewandelt wurde. Vier Jahrespäter wurde Nicolas Antoine , Pfarrer in Divonne, wegenketzerischer Ansichten über die Göttlichkeit Christi, in Genf verbrannt. In wenigen Jahren erlitten in Genf mehr als500 Personen den Feuertod, weil sie beschuldiget waren,mit dein Bösen im Bunde zu stehen. Der letzte Hexenprocess,