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FÜNFTES Bl'Cn.
Tage sahen die Einwohner einen dicken rolhen Schlamm,viele Klafter hoch, in der Breite einer Viertelstunde, gegendas Dorf anrücken. Während li Tagen floss derselbe lang-sam dem See zu, so dass man Zeit hatte, alle beweglicheHabe zu retten; aber eine Menge Häuser und der bestenGrundstücke wurden in dem Schlamm und Schult begraben.Merkwürdig ist, dass an der Nordseile des Itigi, bei Immen-see, zur selbigen Zeit ein gewaltiger Spall entstand, unddie dortige Gegend mit ähnlichem Unglück bedroht wurde. —Die mächtige Nagelfluhmasse des Rigi liegt zwischen Wäggisund Immensee, auf einer dicken Grundlage von rolhem Mer-gel, der damals, wie es scheint, durch verschlagene Quell-wasser aufgeweicht und zum Fliessen gebracht wurde.
Auf der Nordostseite des Rigi wurde eiIf Jahre später,den 2. September 1806, um 5 Uhr Abends, Gold au unterden Trümmern des nördlich liegenden Rul'fiberges begraben.Auch dieses Ereigniss war durch die Aufweichung dec dieNagelfluhlager tragenden Mergel herbeigeführt worden. Tlieil-weise ihrer Unterlage beraubt, brach die Nagelfluhmasse zu-sammen, ihre Trümmer stürzten dem Thalboden zu und be-deckten diesen mit 100 bis 200 F. hohem Schutt. Die früherin Wohlstand blühende Landschaft, auf welcher die DörferGoldau , Busingen, Ober- und Unterröthen und Lowerz stan-den, wurde, bis an den Fuss des Rigi und weit in den Lo-werzersee hinein, in eine Trümmerwüste verwandelt. DerSturz dauerte nur fünf Minuten und brachte 457 Menschen,darunter 8 Touristen aus Bern , den Tod. Seit der Zerstörungvon Flurs war kein so furchtbarer Unglucksfall in unserenGebirgen vorgekommen. — Mit Uebergchung der vielen Ar-tikel in den damaligen Tagblättern findet man das Ereignissnäher beschrieben in dem Offtciellen Bericht über den fürch-terlichen und verheerenden Bergfäll im Canlon Schwyz,Bern , 1806, von einer aus den Staatsräthen Freudenreichund Ba y und dem Berghauptmann Schiatter bestehenden,