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Geschichte der physischen Geographie der Schweiz : bis 1815 / von B. Studer
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580
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FÜNFTES Bl'Cn.

Tage sahen die Einwohner einen dicken rolhen Schlamm,viele Klafter hoch, in der Breite einer Viertelstunde, gegendas Dorf anrücken. Während li Tagen floss derselbe lang-sam dem See zu, so dass man Zeit hatte, alle beweglicheHabe zu retten; aber eine Menge Häuser und der bestenGrundstücke wurden in dem Schlamm und Schult begraben.Merkwürdig ist, dass an der Nordseile des Itigi, bei Immen-see, zur selbigen Zeit ein gewaltiger Spall entstand, unddie dortige Gegend mit ähnlichem Unglück bedroht wurde.Die mächtige Nagelfluhmasse des Rigi liegt zwischen Wäggisund Immensee, auf einer dicken Grundlage von rolhem Mer-gel, der damals, wie es scheint, durch verschlagene Quell-wasser aufgeweicht und zum Fliessen gebracht wurde.

Auf der Nordostseite des Rigi wurde eiIf Jahre später,den 2. September 1806, um 5 Uhr Abends, Gold au unterden Trümmern des nördlich liegenden Rul'fiberges begraben.Auch dieses Ereigniss war durch die Aufweichung dec dieNagelfluhlager tragenden Mergel herbeigeführt worden. Tlieil-weise ihrer Unterlage beraubt, brach die Nagelfluhmasse zu-sammen, ihre Trümmer stürzten dem Thalboden zu und be-deckten diesen mit 100 bis 200 F. hohem Schutt. Die früherin Wohlstand blühende Landschaft, auf welcher die DörferGoldau , Busingen, Ober- und Unterröthen und Lowerz stan-den, wurde, bis an den Fuss des Rigi und weit in den Lo-werzersee hinein, in eine Trümmerwüste verwandelt. DerSturz dauerte nur fünf Minuten und brachte 457 Menschen,darunter 8 Touristen aus Bern , den Tod. Seit der Zerstörungvon Flurs war kein so furchtbarer Unglucksfall in unserenGebirgen vorgekommen. Mit Uebergchung der vielen Ar-tikel in den damaligen Tagblättern findet man das Ereignissnäher beschrieben in dem Offtciellen Bericht über den fürch-terlichen und verheerenden Bergfäll im Canlon Schwyz,Bern , 1806, von einer aus den Staatsräthen Freudenreichund Ba y und dem Berghauptmann Schiatter bestehenden,