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Die Wildbäche der Alpen : eine Darstellung ihrer Ursachen, Verheerungen und Bekämpfung als Beitrag zur physischen Geographie / von F.W. Paul Lehrmann
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nicht etwa als einzeln stehende Extreme absondern,sondern die Endpunkte einer langen, allmählich amsteigenden Reihe sind, deren Glieder allerdings in derMitte näher zusammenstehen. Die Ursachen dieser Er-scheinung sind die ungleiche Exposition gegen die vor-herrschenden Regenwinde und die verschiedene Höheüber dem Meeresspiegel. Dass die am Gebirge empor-steigende Luft sich abkühlt, also an Dampfcapacitätverliert und Niederschläge ausscheidet, ist bekannt.Die Höhe, in welcher die stärksten Niederschläge er-folgen, ist natürlich nicht immer dieselbe, da sie be-dingt ist durch die Feuchtigkeit und die Temperaturder heranstreichenden Luftschichten und den Grad derAbkühlung, die sie im Gebirge erleiden. Den Angabender Schlagintweits, 1 ) dass in den Alpen zwischen5000 und 6000 Euss die Höhe der jährlichen Nieder-schläge wieder abnehme, kann ich nicht beitreten, denngerade für Stationen über 2000 m. Meereshöhe findeich die stärksten Ziffern. Der Kl. St. Bernhard hat190, 2 ) die Grimsel 226, der Bernhardin 250 und dasStilfser Joch 231 cm. jährliche Regenmenge. Aller-dings liegen diese Orte auf Pässen, in denen stets einscharfer Luftzug weht (wie schon Aristoteles wusste)und immer neue Luftschichten ihren Eeuchtigkeitsgehaltabsetzen; freiliegende Gipfel dürften geringere Zahlenaufweisen, 3 ) kaum aber gleich hoch gelegene Orte an

J ) H. u. A. SchlagintweitUntersuchungen über die phy-sische Geographie der Alpen . Leipzig , 1850.

2 ) In denStudi sulla Climatologia dAosta Bolletino met.Bd. XI. ist der Kl. St. Bernhard mit 160 cm. angegeben, weil dieZiffer für den Sommer um 80 cm. zu klein berechnet ist. DerSommer hat 50, der Herbst 45 cm., der Winter 63 (?). Bol. met.Bd. XI. p. 17: Piccolo San Bernardo lascia molta incertezza.

3 ) Regenmessungen auf dem Hoch-Obir giebt Prettnernicht an.