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Die Wildbäche der Alpen : eine Darstellung ihrer Ursachen, Verheerungen und Bekämpfung als Beitrag zur physischen Geographie / von F.W. Paul Lehrmann
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sich entladet. Bald geht die eine, bald die andereRufe, während eine von beiden trocken liegt, und dochsind beide kaum 4000 Fuss (in horizontaler Projection)von einander durch einen Gebirgskeil getrennt. Aehn-lich sagt Surell (pag. 43): les crues dorage sontlocales: tel torrent devient furieux pendant que telautre, tout ä fait voisin, demeure ä sec. Par exempleen 1837, le Rif-Bel döborde ä Guillestre avec uneviolence sans exemple, de memoire dhomine. Pendantce temps, le Chagne, tout ä fait voisin, reste parfaite-ment calme.

Die imYerhältniss zur Höhe abnehmende Temperaturist die Ursache, dass die alljährlich durch Schmelzungder Schneemassen eintretenden Hochwasser, wenn schonallgemeiner und länger, doch weniger gefährlich undzerstörend auftreten, als die durch Regengüsse herbei-geführten. Längst ist unten im Hauptthal der Frühlingeingekehrt, wenn die höheren Thalböden der Seiten-thäler noch einen ganz winterlichen Eindruck machen.Die Abkühlung während der Nacht, der Schatten vonBergwänden und Waldungen wirken verzögernd aufden Sclimelzungsprocess. Während Sion im März eineDurchschnittstemperatur von 5,33° C. hat, und bis Brieg hinauf im Wallis der Schnee am Ende des Monats ver-schwunden ist, liegt er im oberen Thalboden bei einerDurchschnittstemperatur von 1,76° (Reckingen ) nochfusshoch. Plötzlicher und gefährlicher wird die Schmel-zung unter dem Einflüsse des Föhn, wie denn z. B. dieKatastrophe im Rhonethal vom September 66 mit einemFöhnsturm verbunden war. Sion hatte am 18. Septemberim Mittel 11,9°, am 23. dagegen 19,2° und um 7 UhrMorgens am ersten Tage 6,7°, am zweiten 16,2°, so dassSchmelzwasser die vom Gebirge stürzenden Regenfluthenbedeutend vermehrten. Besonders verhängnissvoll wirddieser Zuwachs, wenn im Spätsommer und Herbst auf