Buch 
Die Wildbäche der Alpen : eine Darstellung ihrer Ursachen, Verheerungen und Bekämpfung als Beitrag zur physischen Geographie / von F.W. Paul Lehrmann
Entstehung
Seite
46
JPEG-Download
 

46

Im oberen Thal ist Köttschaek ganz verwüstet (Er-weiterung des Thals, Gefällsbruch!). Der von Nordenkommende Laaserbach (geht durch Werfenerschichten;siehe Hauer!) brach durch das Dorf, überschüttete Allesmit Schotter und Sand und brachte viele Häuser zumEinsturz; in Würmlack ward die Gail durch den Wild­ bach gestaut und vernichtete viele Felder. Am ärgstenwar es um Tröpölach und Wotschig. Tröpölach liegtam rechten Gailufer zwischen zwei der schlimmstenWildbäche, dem Ruttendorferbach und der Osselitza(beide in Steinkohlenschiefer und Sandstein) beide, be-sonders letzterer, der schon ein breites Schuttdelta ab-gelagert hat, stauten die Gail, und so kam das Wasservon drei Seiten. In Wotschig war es ähnlich, der Ortwar auf allen Seiten vom Wasser umgeben und, da dieGailbrücke weggerissen wurde, ohne alle Hülfe. InKlagenfurt selbst traten die Glan und die Glanfurth ausihren Ufern und glich die Stadt vom Kirchthurme ausgesehn einer Insel. Eine Berechnung des Schadens istnicht angegeben, der Beobachter in Saifnitz klagt, dassdurch den schonungslosen Waldabtrieb die Schuttmassen,welche die Gebirgsbäche führen, immer gefahrbringenderwerden.

Unter allen Verheerungen der letzten Zeit nahmendie vom September und October 1868 die grösstenDimensionen an, ! ) denn nicht nur alle südlichen Alpen -thäler, sondern zum Theil auch die des Nordabhanges,wie das Innthal, und besonders Graubünden wurden vonihnen auf das furchtbarste heimgesucht. Schon am13. September begann die Regenperiode, die in Grau­ bünden mit kurzen Pausen, im Tessin fast ununter-

*) F. v. SalisHochwasser im Jahre 1868 imJahrbuch desSchweizer Alpenclub . Bd. V., pag. 572 folg. F. v. HellwaldDie Elementarereignisse in den Alpen im Herbst 1868. Jahrbuchder Oestr. A. V. Bd. V., pag. 250 folg.