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Die Wildbäche der Alpen : eine Darstellung ihrer Ursachen, Verheerungen und Bekämpfung als Beitrag zur physischen Geographie / von F.W. Paul Lehrmann
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blick]ichen traurigen Zustandes, dann aber auch wegender Sommerdürre; es würden für Bewaldung und Me-lioration der Weiden meistens Bewässerungsanlagennöthig sein. Dass diese möglich sind, versichern dieSchweizer Ingenieure, und Sur eil führt Beispiele an,wo Bewässerungsversuche wahre Wunder gewirkt haben.Die Regierung geht energisch vor, und der hartnäckigeWiderstand der Hirten, von dem ich auch aus Oester­ reich und Italien manches Beispiel anführen könnte,wird mehr und mehr erlahmen, wenn sie durch günstigeErfolge belehrt werden. Hur durch das lebendige Bei-spiel, durch Anlage von Musterwirthschaften, ist da zuhelfen, mit Wanderlehrern und gar gelehrten Abhand-lungen wird nichts genützt. Erzählt doch auch Tschudi ,dass ihm in der Schweiz auf Verbesserungsvorschlägelachend geantwortet sei,da oben wachse immerGras.

Nachdem wir gezeigt haben, dass das Weidearealbeschränkt werden kann, ohne der AlpenbevölkerungExistenzbedingungen zu entziehen, wird der Satz, dassalle Sammelgebiete gefährlicher Wildbäche und allekahlen Berglehnen so weit irgend möglich bewaldetwerden müssen, aus wirthschaftlichen Gründen im All-gemeinen nicht bestritten werden können. Es ist natür-lich nicht die Meinung, dass ganze Gebiete für dieAlpenbewohner zu einem todten Capital werden sollen.Unter der Leitung tüchtiger Eorstbeamten würden sichschliesslich Mühe und Kosten bezahlt machen auf einemTerrain, das jetzt wenig Nutzen und viel Unheil bringt.

Wie unverantwortlich man meistens mit den Wäldernumgegangen ist, haben wir im vorigen Capitel an denFolgen des Waldfrevels bereits geschildert. Bei einersystematischen Bekämpfung handelt es sich aber nichtblos um eine Verhinderung von Kahlhieben mit dem ansteilen Gehängen geradezu unsinnigen Ausroden der