Band 
[Textband.]
Seite
21
JPEG-Download
 

21

Englische Tunnelbau-Methode.

8 . 8 .

Der Northchurch-Tunnel. Bedingungen für den Unternehmer.

Auf Taf. IV. V. VI. VII. sind die zugehörigen Dctailzeichnungen.

Die Taf. IV. zeigt die Fronte dieses Tunnels, deren Qnadrirung an die Tunnelfronte der Lceds- und Selby-Eiscnbahn erinnert, ohne jede eine Nachahmung derselben zu sein.

Taf. V. zeigt den Grundriß der Fundamente, der Flügelmauern und die verschiedenen Durchschnitte dieserTunnelfronte und deren Abwässerung.

Taf. VI. zeigt das Längen- und Qnerprofil dieses Tunnels, und den Durchschnitt eines Hauptförderschachtes.

Taf. VII. gibt die Details der eisernen Tunnclringc an, worauf die großen Schachte ruhen. Die kleinerenSchachte ruhen auf eben solchen Ringen. Bei sehr tiefen Schachten möchte es aber besser sein, so wie Rastrickvorschlägt, dieselben an die Seite des Tunnels, und nicht auf das Gewölbe zu stellen. Die Erfahrung wirdlehren, wie sich die tiefen Schachtmanern im Tunnel des Aachener Busches der rheinischen Eisenbahn halten,wovon der Hauptschacht Nro. II. über 180^ in dem Boden, und doch gewiß 1(V über dem Boden stehen wird.Im Tunnel der Nhein-Weser-Bahn unter dem Gevelsbergc sollten die Schachte an die Seite zu stehen kommen.

Der Northchurch-Tunnel fängt in dem auf dem Plan der Grundstücke mit Nro. 34 bezeichneten Felde an, undendigt sich in dem mit Nro. 38 bezeichneten Felde. Seine Länge ist 16 Ketten (Olmins), wovon 80 auf eineMeile gehen; er ist also genau 85°/iz preußische Ruthen lang.

Der Unternehmer mußte seine Operationen in der Breite einer gesetzlichen Kettenlänge (etwas über 5 preuß.Ruthen) über der Oberfläche einschränken, d. h. auf jeder Seite der Mittellinie V 2 Kette breit. Bevor er aberirgend einen Theil deS Tunnels in Arbeit nahm, mußte er diesen Flächenraum zu beiden Seiten auf seine Kostenprovisorisch einfriedigen lassen, so daß sich diese Tunneleinfriedigung mit der permanenten zu beiden Seiten derEinschnitte an den Tnnneleingängen verband. Als der Tunnel beendigt war, wurde die provisorische Einfriedi-gung weggenommen, und nur die Ausrundung des Einschnittes über den Tunneleingängen permanent mit Holzund lebendigen Hecken eingefriedigt, so weit die Flügelmauern des Tunnels reichten.

Der Tunnel besteht aus einem ununterbrochenen Ziegelgewölbe, so wie ihn die Zeichnungen Fig. 1 und 2Taf. VI. darstellen. Die Widerlagen sind nicht gerade, sondern ebenfalls im Bogen gewölbt, wie die Con-structionslinien Fig. 1 zeigen, und ruhen auf Anfängen von Hausteinen, welche letztere gut mit dem umgekehrtenGcwölbbvgen, der Sohle (dem Sohlengewölbe oder Radier des Tunnels) verbunden sind. Das Sohlengewölbedes Tunnels ist nur l'/r Stein dick, mit Ausnahme in der Umgebung der Schachte, welche die ganze Last desSchachtes tragen müssen, wo das ganze Tunnelprofil verstärkt wird, so wie es Fig. 2 von n bis b zeigt. DieWiderlagen und der obere Gewölbbogen sind 2 Ziegel stark, mit Ausnahme einer Länge von 7^ 3^ an jedemEingänge und von 12^ zu jeder Seite der Schachte, wo sie 3 Ziegel dick sind; oder auch anderer Stellen, dieder Ingenieur näher bezeichnete, in welchem letztem Falle, etwa wenn Triebsand, weicher, nasser Thon rc. vor-kommen, der Unternehmer für die Vermehrung des Mauerwerks, im Verhältniß seines Preisregistcrs, besondereVergütung erhielt. Der Bogen von 1'/? Zicgelstärke muß auö 3 Ringen bestehen, so daß auf jeden V? Ziegel-stärke kömmt; hat er 2 Ziegeldicken, so muß er aus 4 Ringen und bei 3 Ziegelstärken aus 6 Ringen bestehen rc.Jeder obere Ring erhält 5 Ziegel mehr als der zunächst unter ihm befindliche concentrische Ring.

Die Ziegel zu jedem Dogen müssen da, wo ein neuer Bogen nach Maßgabe der Constructionsradien an-fängt, genau nach der Lage der Gewölbsradien geformt sein, so daß eine genaue Richtung der Fugen nachden verschiedenen Mittelpunkten entsteht. Die übrigen Ziegel sind von gewöhnlicher Gestalt, aber genau prisma-tisch geformt, und alle von einerlei Dimension, aus guter Ziegelerde und hart gebrannt.