712
der Damm bei Carlswood merkwürdig, wegen seines wie Wasser flüssigen Tkwns. Hier halte gesnnde Einsichtdes Ingenieurs viele Kosten sparen können, durch Anwendung von eingerammten Pfählen oder Ausmauerungvon Pfeilern zum Fundament der Schienen, aber man ist beim alten Schlendrian geblieben, hat den flüssigenThon wegschwemmen lassen, und so beinahe 20süßige Böschungen erhalten, während man jetzt täglich festesMaterial aus den Bahnkörper schütten und im langsamen Schritt fahren muß, um Unglücksfälle zu verhüten.Ein eben solcher Damm cristirt in der Nähe von Hassocks-Station, ist aber nicht so lang. Kurze, hohe Dämmefinden sich in großer Zahl zwischen Baleombe-Tunnel und Brighton ; sie haben aber großentheilS besseres Ma-terial, aus Kreide, Sand, Kies und Feuerstein bestehend.
7) Tunnels. Diese sind von London aus: 1) Der Merstham-Tunncl, -130 Ruthen laug und ganz inKreide eingearbeitet. 2) Der Baleombe-Tunnel, öl Chains oder Vz engl. Meilen lang, worin viel Wasserbefindlich ist. 3) Der Hapwards Hcath-Tunnel, von 230 Aards Länge, über welchen die Landstraße führt, inKreide gearbeitet. -1) Der Claytou-Tunnel, l'/, engl. Meile (508 Ruthen ) lang, in Kreide auSgehaucn, mireiner guten Wassermcnge unter einem Bergrücken, 280 Fuß tief, jedoch vollkommen gelüstet und rauchfrei, wegender Steigung von 5) Der Patcham-Tunnel. Diesen nennt man den Compulsion-Tunnel, weil die Ge-
sellschaft durch den Eigensinn des Major Payne, Besitzer des Gruudeigenthums, gezwungen worden, einenTunnel statt des Einschnittes zu erbauen, der hier etwa 130 Fuß tief geworden wäre, waS bei seiner unbedeu-tenden Länge keine Schwierigkeit gehabt haben würde. -Alle Tunnels sollen mit Gas beleuchtet werden, und diedrei ersten find es schon. Diese Beleuchtung ist sehr schön; alle 40 bis öO Fuß sind Gasbrenner angebracht,welche so viel Licht gewähren, daß man seine Gesellschaft erkennen kann, was die Reise viel angenehmer macht,als in den andern Tunnels voll „ägyptischer Finsterniß." Der größte Nutzen entsteht aber für die Sicherheitder Reisenden dadurch, daß der Maschincnsührer seinen Weg eben so gut, als aus der freien Bahn sehen kann.Man wird nicht im Geringsten durch den Gasgeruch belästigt; die Gasbereituug geschieht an der Außenseitedes Tunnels durch Retorleu und das GaS wird in zierlichen Gasbehältern gesammelt. Diese Einrichtung istnicht sehr kostspielig und verdient Nachahmung. Die Nordfront des Clayton - Tunnels ist im gothischen Styleprächtig erbaut.
Der Merstham-Tunnel ist durch i2 Schachte durch die Kreide getrieben worden. Ueber jedem Schachtstand eine Pferdegöpclmaschine, von welcher die Fördcrkasteu (slUlls) auf kleinen Trncks oder Blockwagcn aufprovisorischen Eisenbahnen oben auf dem Berge zur Seile geführt wurden, wo man den Boden ablagerte. DieArbeiten im Baleombe-Tunnel wurden mir von den Ingenieurs als sehr gefährlich geschildert, weil die dortigeKreide sich etwa wie feucht gewordener Gvps aufblähet und abschält, sobald sie von der Lust berührt wird. DieSchachte dieser Tunnel sollen, wie der Schacht des Tunnels im Aachener Busch der Rheinischen Eisenbahn, ibeil-weise 200 und mehr Fuß tief gewesen seyn. Alle diese Tunnels waren nur zu 100,000 Pfd. St. veranschlagt!
Einsturz des P a t ch a m-T u n n e l s. >.
Ich war eben im Begriff, die Beschreibung der L o n d o n - B r i g h l o n - E i se n b a h n abzusenden, alssich die Nachricht verbreitete, der Patcham- (alias oomnulsoe^) Tunnel sey eingestürzt und habe ein großesUnglück herbeigeführt. Nähere Berichte ergeben aber Folgendes:
Der Schnellzug, welcher zuerst den Tunnel passirtc, gelangte obne große Gefahr durch; aber daS Ende desTunnels gegen Brighton zu gericth bald in solche Bewegung, daß der Einsturz jeden Augenblick zu erwartenstand. Der zweite oder langsame Zug, welcher dem Mail - oder Schnellzuge folgte, wurde deshalb am nörd-lichen Ende zum Stillstehen gebracht, und es verlief nur Minute, als daS Brighton - oder südliche Endedes Tunnels einstürzte, so daß der Zug, wenn er nicht angehalten worden, mit 400 bis 500 Personen zer-schmettert wäre.
Ungeachtet aller dieser strengen Lehren wird doch der alte englische Eisenbahnschlendrian allenthalben nach-geahmt. In England bleibt beim Bau der Eisenbahnen Alles beim Alten: kleine Erdlranspvrtwagen, schlechterTunnelbau und Sorglosigkeit im Bearbeiten der Dämme und Einschnitte. Will mau die Engländer nachabmen,so ftudire man die großartigen Brücken und Viaduete, die Stationsgebäude und die innere Bcguemlichkeit