Band 
[Textband.]
Seite
813
JPEG-Download
 

813

Hill, Tulse Hill, Norwood, Streathan: und die umliegenden Districte ausgedehnt, und das Wasser derselben istdort sehr beliebt.

Die beiden andern Werke theilen sich in den Rest deS Theiles von London und seines Anhanges, der aufder Südseite der Themse liegt, und um die Geduld der Leser nicht zu ermüden, will ich damit schließen, undnur noch bemerken, daß die acht Wassergescllschaften, welche die vernünftigste Specnlation gemacht haben, diezu machen ist, weil sie sich auf ein wahres und stets steigendes Bedürfniß der Hauptstadt gründet, zusammen indiesem Jahre die Summe von 300,000 Pfd. St. oder circa 2,000,000 Thlr. für Wasser von der Stadt erhalten,wenn die mir gemachten Angaben richtig sind.

Die größeren Städte Deutschlands , tvelche kein gesundes Trinkwasscr haben, sollten sich ein Beispiel andiesen einträglichen Anstalten nehmen, und auch für sich selbst und ihre Familien mit Rücksicht auf Reinlichkeitund Gesundheit sorgen.

Es ist wahr, Berlin , wo es so nöthig wäre, die verpesteten Rinnsteine wegen der geringen Höhe der Stadtüber der Spree durch Wasser eben so zu reinigen, wie London , kann dies nur mit außerordentlichen Kosten, undfür manche Stadttheile wohl gar nicht*). Aber ein reichlicher Vorrath an fließendem Wasser in jedem Hause zurSommerszeit würde doch die Rinnsteinbrühe aus dem dickflüssigen Zustande bringen, ukid Gelegenheit geben,solche durch reines Wasser von Zeit zu Zeit ganz zu reinigen. Verschiedene Viertel, die etwas höher liegen,würden aber auch durch Sewers gereinigt werden können, wenn man auf den Höhen umher BassiuS anlegte,welche durch geschlossene Röhren in die mit eisernen Reifen wie Fässer versorgten Sewcrsgewölbe bei niedrigemWasserstande der Spree ausspülten.

In Eöln würde sich bei dessen hoher Lage über dem Rheinspiegel ebenfalls ein vollständiges Bewässerungs-und Scwerssystem anlegen lassen, die sich beide besser rentiren würden, als andere Anstalten, und dabei denStiftern und ihren Nachkommen ein dauerndes Verdienst um die Stadt und ein eben so dauerndes Einkommensichern würden. Weshalb der Plan, Eöln mit gesundem Rheinwasser zu versorgen, aufgegeben worden ist, habeich bis jetzt nicht erfahren können.

Eine Bemerkung will ich noch hinzufügen. Die Erfahrung hat in London gezeigt, daß alle Versuche des soge-nannten Hochfiltrirens gescheitert und die Gesellschaften dafür wieder eingegangen sind. Die von den Chelsea -Werkendurch Herrn Simpson angelegten niedergehenden Filtrirungen scheinen bei uns in Deutschland am leichtestenausführbar, weil wir die dazu nöthigen Muschelschalen leicht in Schiffen von der See aus erhalten können.Wir haben außerdem noch den Vortheil, daß wir weniger Unreinlichkeiten in unsern Flüssen haben, als dieLondoner in ihrer damit überfüllten Themse , für welche es ein wahres Glück ist, daß Ebbe und Fluth sie inbeständiger reinigender Bewegung erhalten. Die Wasserwerke, welche in London zuerst angelegt wurden, hattenmit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen, aber ihr Erfolg nach einigen Jahren war glänzend, und die Reute der-selbe!: steigt mit jedem Jahre. Man sieht zugleich aus obigen Angaben, daß 12 18,000 Häuser bis jetzt dieWirksamkeit der einzelnen Gesellschaften bestimmen, und es nicht zu bezweifeln, daß Städte von eben so vielHäusern in Deutschland auch dasselbe Resultat geben müßten, wenn muthige Unternehmer an'S Werk gingen.Die Kosten der Ausführung würden bei uns bei Weilen : nicht so hoch zu stehen kommen, als in England, wozu dieWohlfcilheit des englischen Gußeisens wenigstens für jetzt wesentlich beitragen wird. Die Abgaben auf das Wasserfür jede Haushaltung würden nach mäßiger Annahme von: Gewinn deshalb weniger betragen, als die Mühe undUmstände, die manche Haushaltungen z. B. in Eöln haben, um nur frisches Trink- und Kochwasser zu erhalten.Als ich in der Marcellenstraße Nr. 21 wohnte, wo kein Brunnenwasser in: Hause ist, konnte man das Wasserdes dortigen Brunnens nicht trinken; ich ließ es von: Eigelstein holen, aber dieses war zu gewissen Zeiten eben-falls schlecht; dann mußte ich es von der Litch an: Dome holen lassen, so daß ich gerne viel zu den Wasser-werken beigesteuert hätte, um dieser Unbequemlichkeit überhoben zu seyn. Wie viele Haushaltungen mögen sichin Eöln in ähnlichen Umständen befinden?

Die Anlegung von Senkgruben in neuen Häusern, die in der Regel nur sehr wenig vom Trink- und

*) Außer in Verbindung mit Viaructen für Eisenbahnen, was gewiß sehr kostspielig ist.