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dasjenige der Gewässer der Rätikonkette überhaupt, ist seit einigen Jahren Gegen-stand einläßlicher Forschungen des Basier Zoologen Pros. F. Zschokke. Er pflegtjeweilen, begleitet von einer Anzahl Studenten, für einige Wochen sein Quartier inPartnun aufzuschlagen, und die St. Antönier, die dann gewöhnlich gerade auch inPartnun beim Mähen find, wissen allerlei Vergnügliches zu erzählen von dem fröhlichenStudententreiben, das da ins Hochgebirge verpflanzt wird.
Zschokke erwähnt nicht weniger als 61 verschiedene Tierarten vom Garschinasee: einen Sala-mander, den Laubfrosch, von Fischen die Groppe (6otMs Zodio) und die Elritze oder unser „Bambeli "(kdoxivns Iwvis), 2 Schnecken, 2 Muscheln, 6 Wasserkäfer, 7 Fliegen, 3 Wasserwanzen, 7 Gerad-flügler (meist Eintagsfliegen) 1 Barentierchen , 1 Milbe, die Wasserflorfliege, den Flohkrebs,5 kleine Ernster, 2 Blutegel, 3 Würmer, 3 Rädertiere, 3 Fadenwürmer, 2 Strudelwürmer, 6 In-fusorien Die Fauna von Garschina ist ausgezeichnet durch reiche Arten- und besonders Jndividnenoer-tretung. Der charakteristische Stempel wird ihr aufgedrückt durch das blühende Jnsektenleben, das allewasserbewohnenden Familien jenes Tierstammes in sich begreift, und durch das Hinzutreten zahlreicherteichbewohnender Amöben, Blutegel, Amphipodcn, Netzflügler und Käfer. Der schlammige Unter-grund des Sees wirkt günstig auf eine reiche Entwicklung der Fadenwürmer und Ringelwürmer,mährend er gleichzeitig die festsitzenden Hydren und Bryozoen ausschließt. Wir erstaunen, in dieserHöhe (2189 in) und bei dem kurzen Sommer ein so reiches, tierisches Leben zu finden: erstEnde Juni taut der See auf; dafür liegt er allerdings sehr sonnig. Mitte August ist dieTemperatur 14 —IM. Die Forschungen von Forel, Jmhof n. a. haben eben gezeigt, daß unterder Eisdecke das tierische Leben nicht nur nicht erlischt, sondern fast unverändert fortbesteht.
Die Ufer sind umsäumt von dichten Beständen von Scheuchzers Wollgras (Uri-opllorum KodsuolEi'i), dessen Weiße Haarbüschel im August einen förmlichen Schnee-saum um den See legen.
Auch die gemeine und die bräunliche Segge (Oarsx vulZaris und brunssosus)bilden stellenweise eine Verlandungszone; auf dem seichten Grunde formiert ein zier-liches Armleuchtergewächs förmliche Wiesen. Niedere Algen bedecken die Steine desSeeufers.
Prächtig ist's, wenn bei klarer Luft und ruhigem Wetter im Spiegel des Seesdie Sulzfluh erscheint, die groß und ernst hinter den Weidehügeln aufsteigt!
Wir durchschlendern gemächlich den weiten Wiesenplan der Garschina und ziehenuns dann allmählich zum Schafberg empor, zuletzt über kurzrasige Schafweiden; derGipfel selbst ist ein Schaflager (2463 iu).
Die Aussicht von diesem Punkt ist herrlich! Die Rätikonkette vom steil auf-ragenden Gleckhorn bis zum Saaser-Calanda umzieht in majestätischem Bogen dieHälfte des Horizontes und nimmt vor allem durch die in nächster Nähe auftauchendenPrachtsgestalten der Drusen- und Sulzsluh das Auge gefangen. Aus mächtigen, kahlenTrümmerhalden aufsteigend, erhebt sich die Drusenfluh in einem Schwung zu einer500 m hohen Felsenmauer, die oben in zahlreiche Scharten, Türme, Erker, Zackenund Spitzen zernagt ist. Kein einziges Grasband, keine gangbare Terrasse, keinkletterbares Couloir zeigt sich von hier aus dem suchenden Auge. Die Besteigung von vorneist denn auch erst im Sommer 1892 gelungen und zwar vom Schweizerthor aus auf demsogenannten „roten Gang", einem schräg sich emporsehenden Bande eines blutroten, diegraue Wand seltsam durchziehenden Kalkes, und zwar durch Herrn Oberrichter Stockarvon Schasfhausen und Lehrer Michel von St. Antönien. Von hinten dagegen istder Anstieg nicht gerade schwierig, indem der Abfall weit weniger steil ist.
Der Name Drusensluh hat, beiläufig bemerkt, mit Drusus nichts zu thun, sondern istvon der Drusenalp auf die Fluh übertragen. Die letztere hat ihren Namen von der Alpen-erle (vros, vruslu) erhalten. Dieselbe Ableitung hat nach Gatschet Va,I vrEkarnia.
Zwischen Drusen- und Sulzfluh öffnet sich die weite Lücke des Drusenthors,und dann steigt als wenig gegliederter Koloß die Sulzfluh vor uns auf. Sie prüfen-