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Das St. Antönierthal im Prättigau in seinen wirtschaftlichen und pflanzengeographischen Verhältnissen / dargestellt von C. Schröter
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Eine andere Berechnnngsweise ergab noch etwas höhere Zahlen: man zeigte mirein Stück Land, das ein Fnder Feistheu (und dementsprechend etwa 1/2 Fuder Ömd)abwirft; die Ausmessung ergab 1260 m^; 1 1/2 Fnder sind 27 Centner, das machtauf die Juchart cirka 77 Centner. Nehmen wir als Mittel 70 Centner, so erg ebtsich daraus, daß der Ertrag demjenigen sehr guter Wiesen der Ebene nicht nachsteht.

Ein Stück Land wie das obige, das cirka 1 Fuder Feistheu liefert, gilt 1000Franken, die Juchart Wiesboden etwa 3000 Franken. Die Mähder haben etwaeinen dreimal geringeren Ertrag, also, da sie nur alle zwei Jahre gemäht werdenund kein Ömd liefern, cirka 8 Centner jährlich per Juchart.

Die Grundstücke werden nicht nach dem Flächeninhalt, sondern allein, und dasist bezeichnend genug für die ausschließliche Wiesenwirtschaft des Thales, nach demHeuertrag geweitet und verkauft, und oft wird in dem nachFudern Heu bemessenen Preis des Gutes gleich auch Wohn-gemach und Gaden inbegriffen, die somit nur als ein not-wendiges Zubehör zur Wiese erscheinen!

Im Jahre 1893 wurde ein Gut mit Haus und Stallund Wiesen zur Winterung von 45 Kühen für 26000Frankeni) verkauft; da aber keinerlei Alprechte dazu gehören,muß der Käufer noch jährlich cirka 150 Franken für dieSömmerung ausgeben; zu 3 V? °/o kapitalisiert, ergiebt dascirka 4300 Franken.

DieMähder" liegen an den sonnigen dachgähabfallenden Halden am Eckberg, auf demSunniort" desGafierthals bis nahe unter die Wand der Gempifluh, aufder herrlichen aussichtsreichen Terrasse des Schollbergs bisunter die Fluh, auf dem breiten Piedestal der Sulzfluh(Partnuner-Mähder) und an den Steilhängen, die vomTschatschuggen gegen Aschüel sich Herabsenken, überall dort,wo es zu steil zum Weiden und zum Düngen ist, und wodie strahlende Alpensonne ein kräftiges, aromatisches Heubraut. Es ist ein feiner, blumenreicher Rasen, bunt vonAnemonen, Glockenblumen, Enzianen, Habichtskräutern,Pippau, welche den meist aus der Horstsegge (6arsx Lsmporvirons) bestehendengrünen Teppich durchwirken; an feuchten Stellen oft eine wahre Muttern-Plawtage(so besonders auf der Schollbergterrasse); an trockenen, magern eine zähe Nardusbürste.

Das Heu wird stets zunächst in den braunen, luftiguftröleten" Bargen(Heustadeln) geborgen, welche die Mähder bis 2000 in über Meer beleben. ImWinter, wenn der Schnee tief und fest genug ist, rüsten sich die Männer zumHeuzug", der als anstrengende, aber doch willkommene Abwechslung das eintönigeWinterleben unterbricht (meist im Januar oder Februar).

Morgens stapft man mühsam durch den Schnee zu den Bargen hinauf. Obengeht es dann an die Herstellung derHeubnrdenen". Es wird ein Platz vor derBärge geebnet und auf demselben dasBurdiseil" im Zickzack auf den Boden gelegt,wie Fig. 22 zeigt. Vorne wird es amSpore" 2 ) befestigt, in den Winkeln hängendieSchlagen" (Holzringe) am Seil. Das freie Ende wird alsFalz" seitwärts

Hcrrichtung der Seilezum Verschnüren derBurbenen"des Zugheus.

0 Eine, wie man mir sagte, infolge der günstigen Verkehrslage des Hauses relativ hohe «umme.2 )Trügle" im Avers,Spole" im Montafun (siehe Jahrbuch 8. X. 6. XXVIII, Seite 10).