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besten Pferde gezüchtet — allerdings nicht zum schweren Zuge,nicht für den schweren Cavalleriedienst; zu diesem Behufe züchteman eine andere Race, wie die Engländer verschiedene Schlägefür den verschiedenen Gebrauch ziehen, oder führe sie vom Aus-lande ein, welchem man dagegen durch arabisches Blut veredelteund hei weitem werthvollere Thiere überlassen kann.
Der königliche Marstall, ein grosses, zu verschiedenen Zweckenbestimmtes Gebäude, bildet ein beträchtliches Oblongum am Endeder Königsstrasse und wird auf zwei Seiten von den königlichenAnlagen umgeben. Früher stand dieses grosse Gebäude auf derSolitude, einem zwei Stunden von der Residenz entfernten, imvorigen Jahrhundert vom Herzoge Karl erbauten Lustschlosse;der vorige König liess es abtragen und auf dem jetzigen Platzewieder aufrichten. Ausser Stallungen für mehrere hundert Pferde,die ungefähr die Hälfte der unteren Räume einnehmen, befindensich in dem Marstall Werkstätten für Schmiede, Wagner, Sattlerund andere Handwerker, die Alles, was irgend nölhig ist, alsStaatscarosscn und gewöhnliche Wagen, Geschirr und Sattelzeug,Beschlag für die Pferde, alle Reparaturen u. s. w. an Ort undStelle fertigen. Remisen und eine Reitbahn nehmen überdem dieunteren Räume ein und in den oberen wohnen viele höhere undniedere bei dem Leib- wie bei dem Marstalle und bei dem Land-gesttite Angestellte: Oberststallmeister, Stallmeister, Bereiter u. s. w.Am Haupteingange des geräumigen, aber gerade nicht zweck-mässigen, weil feuchten Gebäudes stehen in den Ställen zur Rech-ten und zur Linken die Landbeschäler, in der Regel 150 an derZahl, von denen später gesprochen werden soll. Hinter dengrossen, hohen Und geräumigen, mit Hirschgeweihen ausgeschmück-ten Ställen der Landbeschäler (die gerade jetzt, Anfang April,auf den Stationen sind) liegen auf jeder Seile noch mehrere