Allgemeine Bemerkungen über die Wirklichkeit etc. 8?
2) unter gleichen und ähnlichen Lichtgestalten nicht zu aller Zeit gleich augenfällig,sondern zu einer Zeit auffallender, als zur andern. Das meiste kommt dabey aufrecht reine Luft und darauf an, dass dasTelescop ein recht reines, sanftes, gehörig ge-dämpftes Bild giebt, auch das Auge lieh gehörig an dergleichen Beobachtungengewöhnt. Vorzüglich nöthig ist dieses
3) wenn man in den sichelförmigen Lichtgestalten solchen Abfall des Lichts auch anden feinen Hörnerspitzen mit völliger Gewissheit und Deutlichkeit wahrnehmen will.Mitten an der Lichtgränze bey d, e, wo der erleuchtete Theil die grösste Breite hat,ist der Abfall des Lichts immerfort unter günstigen Umständen zu gross und augen-fällig, als dass der geringste Zweifel möglich seyn sollte. Ost hingegen, wenn dieWitterung und übrigen Nebenumstände nicht recht günstig find, siehet man die fei-nen Spitzen der Hörner zwar etwas matter, aber doch fast eben so helle, als den
. Rand mitten bey b erleuchtet; und da sich der Abfall des Lichts, die Ursache davonmag blos photometrisch oder atmosphärisch seyn, in gleichem Verhältnise eben sogut an den Hörnerspitzen, als mitten an der Erleuchtungsgränze zeigen muss, soerregte mir solches manches Mal einigen Zweifel, und nur sehr viele Beobachtungen,da ich die Hörnerspitzen bald ziemlich helle, bald gleich der übrigen Lichtgränzemit aller Gewissheit äusserst und eben so matt erleuchtet fand, liessen mich denGrund dieser veränderlichen Erscheinungen mit völliger Gewissheit entdecken, denich, um ähnliche Zweifel zu verhüten, hier nicht übergehen darf.
§- 99 -
Bey den ungeheuren Gebirgen und Ungleichheiten der Venusfläche, deren Wirk-lichkeit aus den Beobachtungen der ersten Abtheilung, wie mich dünkt, unwiderlegbarfolgst, ist es sehr natürlich, dass, so wie bisweilen um die Zeit der grössten Ausweichun-gen, das eine Horn spitzig, das andere hingegen abgerundet erscheint, weil delsen Spitzemit Schatten, den vorliegende Gebirge auf sie werfen, bedeckt ist, solches auch bey densichelförmigen Lichtgestalten oft der Fall seyn müsse. Dann kann aber das Horn, dessen ei-gentliche Spitze mit Schatten bedeckt ist, wann der erleuchtete Theil ziemlich schmal ist,nicht immer abgerundet, sondern es muss m\s,tveil es zu fein iß und wir feine wahre Gestaltnicht genau genug erkennen können, spitzig erscheinen. Liegt z. B. nach der vergrößertenözsten Fig. die wahre Horn spitze «, ß, 7 von « bis ß in Schatten, so muss uns die Spitze,die bey «, 7 wirklich etwas abgerundet seyn kann, dennoch, weil ihre Breite oft kaumi Raumsecunde betragen dürfte und wir ihre wahre Gestalt nicht erkennen können,
spitzig