Vom Weltmeere. 259vermoderten Gewaͤchſen und Thieren, die in ſo unzaͤhliger Men-ge dieſe flieſſende Materie bewohnen, wer hiebey noch betrachtet,was die mancherley Fluͤſſe in dieſem allgemeinen Sammelplatzeausgieſſen, der findet zureichliche Urſachen, warum das Meer-waſſer einen eigenen und beſondern Geſchmack haben muͤſſe. Manglaubt, daß die Bitterkeit uͤberhaupt von Bergfette herruͤhre, jaman hat es hierin der Natur auch ziemlich nachgemacht(6;);aber behutſame Aufloͤſungs⸗Verſuche ſollen kein ſolches Fett ent-decken(c), und man duͤrfte bald von der eigentlichen Urſache die-ſer Bitterkeit unterrichtet ſeyn. Sie ruͤhret vermuthlich von deralcaliſchen Erde her, die ſo haͤufig im Meere gefunden wird,theils von der Vitriolſaͤure aufgeloͤſet, da ſie das rechte Bitter-ſalz ausmacht(cc), theils von der Kochſalzſaͤure, die damit einhoͤchſt deliqueſcirendes Salz macht. Hiezu traͤget auch vielleichtGlaubersſalz etwas bey, welches man mehr oder weniger imMeerwaſſer finden ſoll; aber es koͤnnte vielleicht ſeyn, daß manes mit dem Bitterſalz vermiſcht.
Die Farbe unter den Waſſern iſt ſehr unterſchieden, undoft iſt dieſelbe in einerley Waſſer veraͤnderlich nach den verſchie-denen Umſtaͤnden. Die Nordſee und das atlantiſche Meerſind blaͤulicht(d); der obere Theil des mittellaͤndiſchen Mee-res ſieht zuweilen purpurfarbig aus(²); auf der weſtlichen Kuͤſte
Kk 2 von
(5) Graf Marſigli hat durch Zu-ſammenmiſchung von anderthalb LothKochſalz und 48 Gran Steinkohlen-Spiritus in 46 ½ Loth ſuͤſſem Waſſereben den Geſchmack hervorgebracht,welchen das Meer auf der Oberflaͤ-che bey Provence hat, aber wenn esdem tiefen Waſſer gleichen ſollte, mu-ſten noch einige Gran von dem fluͤch-tigen Spiritu zugegoſſen werden.
(c) Poiſſonnier laͤugnet, daß ſich imMeerwaſſer das geringſte bitumino-
ſum finde, aber, ſo viel mir wiſſendiſt, hat er ſeinen Verſuch daruͤbernicht angegeben. bE(ce) Boulduc, der juͤngere, nimmtnach ſeinen Verſuchen wenigſtens einViertheil Quentlein Bitterſalz aufein Pfund Meerwaſſer an. Mem. dePAcad. a Paris 1731. 5.(a) Pontoppidan, Kalm a. St.(e) T. Smith fand 1668 bey ſeinererſten Reiſe nach Conſtantinopel dasWaſſer im mittellaͤndiſchen Meerehimmel-