Buch X. Kap. 2. §. 13.
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man weiss nicht warum, plötzlich bei Xacht ergreifen, den Einenmorden, die Andern lebenslänglich einkerkern und ihr Vermögeneinziehen *). Und das geschah in der goldenen Zeit; so weit gehenasiatische und europäische Vorstellungen aus einander! Aber glor-reich waren Harün’s zum Theil persönlich erfochtene Siege überdie Griechen; durch das ganze weite Reich herrschte WohlstandRuhe und Sicherheit, nur nicht gegen die Launen des Chalifen;acht mal besuchte er mit glänzendem Gefolge die heiligen Städte,gab prachtvolle Iloffeste, übte eine Freigebigkeit ohne Grenzen:das alles machte den Moslimen seine Regierung zu einem ununter-brochenen Freudentaumel, und Dichter und Gelehrte schwelgtenvor andern in seiner Gunst.
Minder glücklich gegen äussere Feinde, und durch innere Un-ruhen oft confessionellen Ursprungs erschüttert, war AJmämünsRegierung. Entschieden neigte sich dieser Chalif zu wissenschaft-licher Betrachtung und einem beschaulichen Leben. Astronomieund Medicin erfreuten sich seiner besondere Vorliebe, und grosseund kleine Männer beider Fächer verstanden sie auszubeuten. Soerwarb er aucli seiner Zeit noch den Namen der goldnen, den zuerhalten den meisten seiner Nachfolger, die sich hinfort sämmtlichBillah, das heisst von Gottes Gnaden 1 2 ) nannten, nicht sehr amHerzen lag.
Viel Nachdruck legen einige moderne Schriftsteller auf diefrüh vorkommenden, doch immer nur vereinzelten Verbindungender Chalifen zu Bagdad mit den fränkischen Herrschern. SchonPipin, Karl des Grossen Vater, bewarb sich durch eine feierlicheGesandschaft um Ahnanszür’s Freundschaft, und empfing durcheine Gegengesandtschaft reiche Geschenke. Unter Ilarün und Karldem Grossen wiederholten sich dergleichen Versuche der Annähe-rung ölter und mit grösserem Prunk. Ich wüsste nicht, dass sieauf Wissenschaft oder Kunst einen bemerkbaren Einfluss geübt
1) Alle arabischen Historiker verweilen bei dieser Katastrophe, und su-chen nach den Beweggründen Harün’s; keiner kommt über schwankendeVermuthungen hinaus.
Hammer-Pu rg st all, Gemäldesaal u. s. w. II, Seite 248.
Meyer, Gesch. d. Botanik. III. 8