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Buch X. Kap. 4. §. 25.
Wiiatenfeld *) erzählt auch von dem wackern Abd Allatif, dessennähere Bekanntschaft wir später machen werden, derselbe hätte sichmehr und mehr von der Grundlosigkeit der Alchymie überzeugt,sich ganz zum Studium der Medicin gewandt, und gegen IbnSinä’s Schriften, je länger er sie studirt, desto mehr Abneigungbekommen. Allein dabei liess sich 'Wüstenfeld vermuthlich durchden blossen Auszug aus Ibn Oszaibiah, den er bei diesem Artikelbenutzte, irre leiten. Nach desselben Schriftstellers vollständigerBiographie des Abd Allatif , welche uns de Sacy 1 2 ) lieferte, sprichtsich Abd Allatif über Ibn Sinä als Mediciner gar nicht aus, son-dern erzählt nur wie er ihn für den grössten Philosophen gehalten,bis er Alfäräbi und die Griechen kennen gelernt hätte, und wieIhn Sinä’s Schifä (Heilung, nämlich der Seele, also sein philoso-phisches Werk) ihn einst vornehmlich zum Studium der Alchymieangereizt hätte. Dann sagt er später: „Ich erkannte die Nichtig-keit der Chemie, ich begriff vollständig, wie diese Kunst entstand,wer die Urheber dieser lügnerischen Geheimnisse waren, und wel-chen Zweck sie verfolgten. So befreiete ich mich von zwei grossenund gefährlichen Irrthiimern, wofür ich dem Allmächtigen lebhaftenDank zollte. Denn den Meisten gereichen Ibn Sinä’s Werke unddie Chemie zum Verderben.“ Wir, meine ich, können nachsichti-ger sein, und dem Ibn Sinä einen Irrthum, den er mit seinem gan-zen Zeitalter theilte, leichter verzeihen als der durch ihn bitter ge-täuschte Abd Allatif, und werden uns nicht daran stossen, wenner als Philosoph die Griechen nicht erreichte. Wir wollen zudemfür jetzt nur den Arzt ins Auge fassen. Man wirft ihm vor, seinQanün wäre ganz und gar aus galenischen Lappen zusammenge-flickt. Wahrlich! ein wunderbares Flickwerk, das der Näthe we-niger zeigt, als die bunte Garderobe, aus der es soll zusammenge-schnitten sein. Wo ist denn das galenische Werk, das die ge-sammte Medicin in so streng svstematischer Form enthält? Manhat diesen Vorzug selbst zum Tadel benutzt; eben weil das Werk
1 ) Wüstenfeld nr. 220.
2 ) Abd-All atif, traduit par Sylv. de Sacy pag. 462, 466, 46d.
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