Band 
Vierter Band.
Seite
75
JPEG-Download
 

75

Buch XII. Kap. 1. §. 6.

Tractatus secundus.

De herbis.

Dieser Theil ist minder interessant als der vorige. Nur inden Bäumen, meint Albert, spreche sich die Natur der Pflanzevollständig aus, in den Stauden und Kräutern würden die Elemente,aus denen sie beständen, noch nicht so vollständig von der Thä-tigkeit der Pflanzenseele überwunden. Als das wichtigste erschei-nen ihm hier die Kräfte der Pflanzen, die er jedoch nicht als Arztihrer Anwendung wegen, sondern als Naturforscher ihrerselbst wegen an einigen Pflanzen durchgehen will, weil sichauch in ihnen die Natur der Pflanze manifestirt. Indem er nunauf seine Weise verschiedene Momente angiebt, denen die Pflan-zen ihre Kräfte verdanken sollen, die Elementarcomplexion u. s. w.,kommt er auch auf den Einfluss der Gestirne und meint, diesemverdankten gewisse Pflanzen gewisse wunderbar erscheinende Eigen-schaften, nach denen die Magiker vor allen zu forschen pflegten.So weiss er selbst dem Aberglauben, von dem er sich nicht ganzlossagen kann, einen Platz in seinem System der Naturphilosophieanzuweisen, auf dem er den Zusammenhang von Ursachen undWirkungen wenigstens nicht stört. Hundert und einige siebzigPflanzen werden darauf im Vergleich mit den Bäumen meist nurkurz beschrieben, und nach ihren Kräften gemustert. Auch dabeistösst man auf manche treffliche Beobachtung; doch ist hier beiweitem das Meiste, ausser den theoretischen Erklärungsversuchenungewöhnlicher Formen oder Kräfte, von Andern, hauptsächlichvon Avicenna geborgt. Ich halte mich daher bei diesem Tractatnicht auf, sondern gehe sogleich über zum siebten und letzten Buch.

§• 6 .

Alberts ökonomische Botanik.

Auch ihre Gewohnheiten zu verändern ist die Pflanzefähig, indem sie aus dem wilden in den zahmen Zustand, oderaus diesem rückwärts in jenen übergeht. Einzusehen wie das ge-schieht, ist nicht allein dem Naturforscher erfreulich, sondern zu-