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Buch XIV. Kap. 1. §. 27.
sklavisch zu unterwerfen, suchte man vielmehr ihre verdorbenenTexte durch Vergleichung der Handschriften zu berichtigen, ver-glich Einen Schriftsteller mit dem andern, stiess auf Widersprüche,unterzog sich immer kühner und sicherer der Sach- wie der Wort-kritik, und that endlich den entscheidenden Schritt: man kehrtevon der überlieferten Naturwissenschaft zur Naturselbst zurück.
Es war aber hohe Zeit die Bahn, deren Verlauf ich nur kurzandeutete, einzuschlagen, und viele glücklich zusammentreffendeUmstande mussten das Suchen nach Schätzen auf ihr begünstigen,sollte der letzte mögliche Moment der Rückkehr zu den Klassikernnicht unwiederbringlich verloren gehen. Bei der gänzlichen Ver-nachlässigung dieser Literatur im Mittelalter, während Kriegs-stürme und Völkerwanderungen Italien und Griechenland auf dasfurchtbarste verhehrten, waren viele Werke der Alten längst ver-nichtet, andre existirten nur noch in wenigen oder einzelnen halbvermoderten Exemplaren. Diese Trümmern zu retten, war dieAufgabe, und ihr widmeten sich mit brennendem Eifer, mit An-strengung aller Kräfte, die beiden Freunde Petrarca und Boc-caccio 1 ). Was sie als Dichter geleistet, weiss jedermann; min-der bekannt, wiewohl unendlich viel höher zu schätzen, sind ihreVerdienste um Erhaltung der wenigen schriftlichen Ueberreste desrömischen und griechischen Alterthums, woraus alle höhere Gei-stesbildung der Neuzeit hervorging. Ein schönes Bild dieser Thä-tigkeit und der mit ihr verknüpften Opfer liefern Petrarca’s latei-nisch geschriebene Briefe 2 ), die noch immer keinen Uebersetzer,nicht einmal einen kritischen Herausgeber des lateinischen Originals
1) Man sehe über ihre Leistungen vor allen Tiraboschi pag. 82,das ganze Kapitel: Biblioteche e scoprimento di libri autichi; nächstdem Ileeren,Geschichte des Studiums der elastischen Liiteratur I, Seite 258 ff.
2) Francisi Fei rarhae etc. opera quae exstant omnia. Basileae, exct/debaiHenrichus Petri, (am Schluss) 1551, in fol. Darin die sämmtliclien Briefe (vonpag. 631—1141), die in frühem Ausgaben noch nicht alle Vorkommen. Diehierher gehörigen Stellen citirt Tiraboschi vol. V, SS sgq. ziemlich vollständig,und giebt auch Auszüge daraus, übergeht jedoch manches Bemerkenswerthe.
Meyer, Gesell, d, Botanik. IV. 14